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Autokraten

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Von: Michael Hesse

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Groß, größer: der Trump Tower in New York.
Groß, größer: der Trump Tower (Hochhaus in der Mitte) in New York. © Beata Zawrzel/Imago

Wir unterschätzen die Gefahren, die von Autokraten wie Trump ausgehen und vergessen: sie meinen, was sie sagen.

Spitz auf Knopf steht es. „Ihr werdet euer blaues Wunder erleben“, hieß es vonseiten der Roten, der Republikaner, an die Adresse der Blauen, der Demokraten. Die Rede ist von den Midterm-Wahlen in den USA. Doch hinter den Ergebnissen, die noch nicht in klarer, überschaubarer Form zugänglich sind, steht eine Ankündigung, die nicht nur die Blauen in den USA das Fürchten lehren könnte. Die Rede ist von keinem anderen als Donald Trump. Der vor zwei Jahren als US-Präsident abgewählte Immobilienmogul droht mit seiner Rückkehr. Er hat eine „große Rede“ hierzu angekündigt. Ohnedies ist alles bei ihm groß, größer und noch viel größer. Diese Überdimensioniertheit beinhaltet zugleich einen Moment des Lächerlichen. Was aus der Norm zu sehr herausragt, gerät nun einmal allzu leicht ins Groteske.

Und darin liegt auch die Möglichkeit, ja sogar hohe Wahrscheinlichkeit der Unterschätzung der mit Trump und anderen Autokraten einhergehenden Gefahren. Wer stets übertreibt, gilt schnell als Spinner. Doch bei Autokraten sollte man sich hüten, die Aussagen allzu leicht beiseitezuwischen.

Ein konservativer, aus den Höhen Schottlands stammender Historiker hat darauf in der NZZ hingewiesen. Niall Ferguson, nunmehr Professor an der Harvard University, erklärte da in etwa das Folgende: Regel 1: Glauben Sie dem Autokraten. Er meint, was er sagt. Bei Trump erfüllten sich seine Aussagen in Bezug auf Ausgrenzung, Mauerbau, Rassismus, Angriffe auf die Institutionen. Regel 2: Lassen Sie sich nicht von kleinen Zeichen der Normalität täuschen. Autoritäre Politiker nutzen etwa die Finanzmärkte und positive Zahlen auf dem Arbeitsmarkt dazu, eine Normalität vorzutäuschen, damit die Menschen nicht in Panik verfallen. Ihr Motto: Seht her, die Welt ist doch immer noch die alte. Regel 3: Die Institutionen werden Sie nicht retten. Putin brauchte ein Jahr, um die russischen Medien zu übernehmen und vier Jahre, um sein Wahlsystem aufzubauen; die Justiz brach unbemerkt zusammen.

Demokratien sterben heutzutage nicht mehr mit einem großen Knall, einem Putsch oder einer Revolution. Sie siechen so leise vor sich hin, dass wir ihr Ableben kaum bemerken. Genau deshalb sollten wir auf der Hut sein vor dem, was Autokraten politisch ankündigen. Die Abgrenzung nach rechts muss daher eindeutig, klar und unmissverständlich sein. „Ähnlichkeiten erkennen, bevor es zu spät ist“, lautet die Devise mit Blick auf die Geschichte. Man muss aus der Vergangenheit lernen. Geschichte wiederholt sich nicht, das scheint gewiss. Und doch ähnelt sie sich manchmal.

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