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Besichtigung Rundgang Baustelle Frankfurter Altstadt, hier: Bauarbeiter zersägt mit einem Trennschleifer Flex einen Stein.

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Frankfurts Stadtführer dürften einem potenzierten Altstadtabenteuer entgegensehen.

Mit der Konstruktion der Altstadt ist es in den letzten Monaten sichtlich vorangegangen, so schwierig eine Altstadtproduktion im Einzelnen auch sein mag. Sie basierte auf Umsicht, Zupacken und Liebe. So wird man es am Tag der Fertigstellung erfahren, wenn die nagelneue Altstadt zum Eintritt freigegeben ist. Von dem Tag an wird aber auch ein Erläuterungsbedarf bestehen, ein noch gewaltigerer als vorab, in den vergangenen Jahren, mit Aussicht auf dieses Quartier, in dem eine Stadt endlich wieder zu sich selbst finden sollte zwischen Fassaden, darunter 15 Häusern nach alter Art, in der Nachbarschaft von solchen in moderner Manier. 
Die Altstadt, einmal fertiggestellt und nicht etwa vom Band gelaufen, wie so vieles in der Welt, wird sich überragend zeigen – so ist es versprochen. Sie wird durch vielerlei sehr stark ins Auge springen, aber Frankfurt-Altstadt, und davon   ist hier die Rede, wird nicht nur für sich selbst sprechen, mitnichten nicht. Es werden Fragen kommen, ganz bestimmt!

Wer hat die Altstadt, in der mit den Mitteln der Nachahmung so getan wird, als handele es sich um eine alte Stadt, eigentlich geplant? Karl der Große schon? Auf diesen Gedanken, selbstredend ganz falsch, wird womöglich der eine oder andere Fernreisende kommen, dieser oder jener Chinese oder Japaner, den das Frankfurt-Marketing ganz gezielt anspricht, vertraut mit der Gründungsgeschichte Frankfurts. Frankfurtern oder dem Frankfurt-Marketing muss man natürlich nicht sagen, dass Karl der Große als Gründer dieses Quartiers, zu dessen Fassaden man begründet aufschaut, ausscheidet – auch wenn der archäologische Garten, vom Altstadtquartier der Zukunft umhaust, eine karolingische Gründung ist.

Weil es, ob auf Englisch, Chinesisch oder Japanisch, keine falschen Fragen, sondern auf diese nur ungeduldige Antworten gibt, dürfen Frankfurts Stadtführer einem potenzierten Altstadtabenteuer entgegensehen. Denn natürlich sollen den Altstadtbesuchern angesichts der perfekten Fassaden, der nachgeahmten ebenso wie der modern interpretierten, die Augen übergehen. Aber damit soll es auch ein Bewenden haben, muss es! Denn es sollen ihnen die Augen nicht so sehr aufgehen. Das ist der Sinn des Wortes Augentrug, dem einige Augenzeugen einen unbedingt tieferen Sinn abgewinnen können. Soll doch mit dem Trugbild das durch und durch friedliche Einvernehmen mit einem Fake erzielt werden, der vielen in der Gegenwart lebenden Menschen als vorbildlich gilt. 

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