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Den Kopf zur Seite geneigt, die Augen geschlossen. So saß die serbische Performance-Künstlerin Marina Abramovi seit dem 14. März täglich im Museum of Modern Art in New York an einem kleinen Tisch. Von Harry Nutt

Den Kopf leicht zur Seite geneigt, die Augen geschlossen. So saß die serbische Performance-Künstlerin Marina Abramovi seit dem 14. März täglich im Museum of Modern Art (MoMA) in New York an einem kleinen Tisch. Wer wollte, konnte sich ihr gegenüber setzen. Reden war erlaubt, hätte aber nicht geholfen. Marina Abramovi reagierte nicht. Sie war anwesend. Das musste reichen. So lautete auch der Name der Aktion: Die Künstlerin ist anwesend. Wie intensiv die Performance war, zeigt die kleine Bildergalerie, die die New York Times auf ihrer Internetseite veröffentlichte. Konzentrierte Gesichter, Blicke - anwesend waren auch die Besucher. Einige saßen über Stunden mit Marina, andere bloß ein paar Minuten. Zusammen ergaben sie eine museale Kommunion oder ein Festival individueller Einkehr.

Der amerikanische Philosoph und Kunstkritiker Arthur C. Danto, der vor einigen Jahren mit seinem Buch "Die Verklärung des Gewöhnlichen" eine bahnbrechende Handreichung zur Interpretation von Kunst gegeben hat, saß ebenfalls eine Weile mit Marina. Sie und das MoMA, schrieb Danto anschließend, hätten ein wenig Magie zurück in die Kunst gebracht. Einfach nur sitzend beobachtete er, wie Marina Abramovi in einen anderen Zustand überging, den Performance-Modus, wie sie selbst es genannt hat. Auch das ein Moment der Verklärung des Gewöhnlichen, wie Danto ihn analysiert hat.

Man mag sich vorstellen, wie anstrengend es gewesen sein muss, so lange im Museum zu sitzen. Etwas auszuhalten, ist ein wesentlicher Teil der künstlerischen Arbeit von Marina Abramovi. Immer wieder hat sie ihren Körper Grenzsituationen ausgesetzt und ihn dabei selbst zur Grenze gemacht. Auf der chinesischen Mauer lief sie ihrem Partner Ulay entgegen. Ihre Wege kreuzten einander und trafen sich nie wieder. Buchstäblich, in der Kunst wie im Leben. In der Performance Balkan Baroque, für die Abramaovic 1997 mit dem Goldenen Löwen von Venedig ausgezeichnet wurde, putzte sie stundenlang frische Rinderknochen mit einer Zahnbürste und sang dazu Totenlieder aus ihrer Heimat. Jetzt hat Abramovi frei. Die Sitzung im MoMA ist seit gestern beendet.

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