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Ausgerechnet

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Von: Judith von Sternburg

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Eine Runde lang ging sie wieder. Echt.
Eine Runde lang ging sie wieder. Echt. © Imago

Ausgerechnet an den Feiertagen ist was schiefgegangen, wie immer.

Zum alltäglichen Pech und Graus gesellt sich die jahreszeitgemäße Situation. Hören wir kurz rein. „Ausgerechnet an den Feiertagen frisst sich die Feuerwalze …“ – „Ausgerechnet an den Feiertagen Zahnschmerzen …“ – „Ausgerechnet an den Feiertagen ist die Hauswand in der L.-Straße eingestürzt“ – „Ausgerechnet an den Feiertagen fehlt auf einmal etwas ganz Wichtiges im Kühlschrank …“ – Kurzum: „Ausgerechnet an den Feiertagen der Ernstfall!“ Dieser ist zwar immer ernst, aber in verschiedenen Härtegraden. Hinsichtlich der Feuerwalze sowie der Hauswand hat es sogar eine Ironie, auf die Terminierung hinzuweisen. Ohne aus dem Nähkästchen plaudern zu wollen, nähert man sich hier dem alten Journalistenproblem: Wie finde ich hinein in den nachrichtlichen Text? Ah, stimmt, das ist eine Möglichkeit, es ist ja ausgerechnet an den Feiertagen passiert.

Ausgerechnet an den Feiertagen ging also die Spülmaschine kaputt. In einem Video erläuterte zwar ein optimistischer Sachse, wie das Problem zu beheben sein müsste, und wer bisher gar nicht wusste, dass es Dinge gibt, die wirklich jede Person im Inneren einer Spülmaschine herausknacken, KONTROLLIEREN und gegebenenfalls reinigen kann, staunte nicht schlecht. Der Erfolg war auch enorm, aber kurzfristig. Der Glauben an den eigenen handwerklichen Mumm (bisher nicht weiter aufgefallen) musste kurz nach seinem scheuen Auftreten sofort einen Dämpfer hinnehmen. Das magische Denken wurde indes beflügelt. Was wäre gewesen, wenn man nach dem kleinen Erfolg nicht fürchterlich damit angegeben hätte?

Erst vor sich selbst – „Wow, super, was du so alles kannst, und das Internet: wow, super, was das Internet so alles kann“, denn auch der Glaube an einen unaufhaltsamen Fortschritt machte sich sofort breit, wie zumeist, wenn Trotteln etwas Technisches gelingt.

Dann leider auch vor der versammelten Verwandtschaft. „Jau, das konnte man halt einfach rausklicken und reinigen, habe ich im Internet nachgeschaut. Also, ich war schon überrascht von mir.“ Die versammelte Verwandtschaft war erst recht überrascht, fast schon kränkend überrascht. Konsens aber: Wäre auch zu ärgerlich gewesen, ausgerechnet an den Feiertagen. Im Ohr noch der Satz: „Echt, dann ging die Maschine wieder?“ Ja, eine Runde lang ging sie wieder, echt.

Beim Spülen war dann sehr viel Zeit, darüber nachzudenken. Es führte aber zu nichts. Wie überhaupt intensive Haushaltsarbeit als Gelegenheit zur Reflexion von Haushaltsarbeit meidenden Menschen oft überschätzt wird. Intensive Haushaltsarbeit ist einfach intensive Haushaltsarbeit. Ein Vollzeitjob. Wie sich einmal im Jahr zeigt, selbstverständlich an den Feiertagen.

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