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Auch Shakespeares „Hamlet“ müsste man mal zum allerersten Mal sehen.
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Auch Shakespeares „Hamlet“ müsste man mal zum allerersten Mal sehen.

Times mager

Wie es ausgeht

Auch Shakespeares „Hamlet“ müsste man mal zum allerersten Mal sehen. Erstaunlich die Geduld, immer wieder still abzuwarten, bis alle Ver- und Entwicklungen über die Bühne sind.

In einem feierlichen „Rosenkavalier“ fragte eine Zuhörerin zwischendurch, ob die Frau in Weiß wohl sterben werde. Um sie her wusste keiner eine rechte Antwort. Möglich, man müsse davon ausgehen, hoffentlich doch nicht.

Hierzu ist zweierlei zu sagen. Erstens hat im „Rosenkavalier“ im Prinzip schon mal überhaupt niemand zu sterben. Außer, dass am Ende sowieso jeder stirbt. Aber nicht hier und nicht heute. Wäre die Musik nicht göttlich und wären die Stimmen nicht überwältigend gewesen, man hätte das direkt übelnehmen können.

Zweitens ist es eine Freude zu sehen, wie der Mensch, dem eine Geschichte dargeboten wird, nicht umhin kann, sofort freudig interessiert über ihren Ausgang zu spekulieren. Insofern ist es gut, dass eine Regie Spannungselemente einbauen kann, mit denen der Zuschauer die Situation neu berechnen muss.

Wenn Ophelia eine engagierte Apnoetaucherin ist, lässt sich nicht mehr so klar vorhersagen, ob sie ertrinken wird. Wenn Hamlets Mutter Gertrud gesundheitsbewusst lebt und im Verlauf des Tages schon 2,5 Liter Wasser getrunken hat, nimmt sie vielleicht keinen Schluck aus dem Giftbecher.

Ohnehin würde es schon ausreichen, wenn man die Möglichkeit hätte, „Hamlet“ noch mal zum allerersten Mal zu sehen. Es wird einem bei dieser Gelegenheit nämlich bewusst, wie spannend es wäre, nicht zu wissen, was auf den jungen Mann zukommt. Und wenn die anderen Zuschauer dicht hielten, wie es sich angesichts eines Theaterstücks aus dem Land der „Mausefalle“ geziemte.

Und wie seltsam es ist, dass Zuschauer in aller Welt still akzeptieren, sich ständig wieder Geschichten erzählen zu lassen, deren Verwicklungen ihnen en detail bekannt sind. Der kindlichen Freude an der Wiederholung steht eben doch das Stöhnen gegenüber, wie lange es dauert, bis noch die vorletzte „Hamlet“-Figur tot ist.

Der Mann im Anzug und der Mann mit Pappbecher

Im weniger feierlichen Frankfurter Berufsverkehr saß ein Mann am Straßenrand und hielt einen Pappbecher in der Hand. Von der Straßenbahn aus war gut zu sehen, wie ein dynamischer Berufstätiger vor ihm stehen blieb, eine Hand mit Handy am Ohr, die andere begann, in den Anzugtaschen zu grabbeln. Daraus konnte die grandiose Geschichte über den anständigsten Mann des Tages werden oder aber die Geschichte einer Lumperei und Vorspiegelung falscher Tatsachen.

Perfiderweise fuhr die Straßenbahn sodann weiter. Schlimmer als eine Geschichte, bei der man schon weiß, wie sie vier Stunden später ausgeht und was dazwischen passiert, ist nur eine, bei der man das Ende nie, nie, nie erfahren wird.

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