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Ausflug

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Von: Sylvia Staude

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Blütenpracht.
Blütenpracht. © Imago

Zwischen leuchtend grünen Blättern, Fliederduft und Tischgesprächen, auch vom Krieg.

Tatsächlich Frühling. Gerade noch war der Wind „hui, eisig“. Zwei Tage später kann man ihn „frisch“ nennen. An der Sonne (und bergauf) ziehen sich die Wandernden aus bis aufs T-Shirt. Kommt der Schatten (und der Wind ums Eck), lacht man und schlüpft wieder in die Jacke. Achselzuckend, denn was soll man machen: Ist halt noch frisch, frühlingsfrisch, aprilfrisch. Besser, als zu sehr zu schwitzen. Es herrscht Einigkeit. Die Hitze, die wird schneller da sein, als uns recht ist. Was schon da ist, das sind die Mountainbiker, inzwischen auch gern mit der Hilfe von E. Wenn sie wenigstens aus eigener Kraft, maulen wir … tun wir doch auch.

Die jungen Blätter der Buchen, sonnendurchglüht, sind wie pures grünes Licht. Wie Schwärme von Lampions. Die Blätter des vergangenen Jahres rascheln derweil noch unter den Füßen. Und stauben, denn es ist trocken. Schon wieder viel zu … kummervolles Kopfschütteln. Und guck mal, die Hosenbeine eingestaubt, die Narzissenblüten bräunlich und papieren. Die wären auch mit Regen bereits verblüht? Mag sein.

Dafür die Wild-Kirschen, weiße Wattebäusche vor hell-dunkel-moos-grünem Wald. Und das da, ist das Weißdorn? Und hier Buschwindröschen, aber auf dem absteigenden Ast wie die Narzissen. Aber habt ihr schon mal sooo viele Gänseblümchen auf einem Fleck gesehen, das ist ja unglaublich! Und riecht ihr das, das kann nur Bärlauch sein.

Auch dem Flieder geht sein Geruch, nein, in diesem Fall sein prachtvoller Duft voraus, so dass man ihn erst riecht, dann den Kopf dreht und nach ihm Ausschau hält. Da kreuzen sich kurz die Blicke mit denen einer Frau mit wildem dunklen Haar, die aus einem Fenster lehnt. Du lächelst, sie schaut grimmig, du lächelst mehr, sie verzieht keine Miene. Haben wir gerade etwas Dummes gesagt? Hat sie uns abgehakt als Ausflügler, die durch ihr Kopfsteinpflastersträßchen stolpern, schwätzend wie eine Schulklasse ohne Aufsicht, die mit dem Finger auf ihren Flieder zeigen und ihre Feiertagsruhe stören?

In der Gartenwirtschaft – ah, draußen sitzen, wann konnten wir das zuletzt? Im März? Okay, ja... – bringt die Bedienung gleich Wasser für den Hund. Menschengetränke dauern etwas länger. Aber die Menschen sind eh noch damit beschäftigt, sich zu fragen, was sie aus- oder wieder anziehen sollen. Meint ihr, dass die Sonne gleich hinter der Hausecke?

Von den Nachbartischen schwirren Stimmen. Hier quengelt ein Kind, weil es ein Eis möchte – aber nicht dieses, das andere. Dort hinten sagt jemand „Lauterbach“ und „Herbst“. Da vorn sagt eine „Krieg“. Eine Stille tritt daraufhin nicht mehr ein in der Runde. Kann sein, dass der Krieg schon zu lange dauert für ein angemessenes Erschrecken.

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