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Kolumne

Ausbreitung

Das die Terrorgefahr steigt, ist nun wirklich keine Neuigkeit. Doch in Zeiten des Terrors ist es wichtig, alle Botschaften und ihre Verpackung genau anzuschauen.

Von Hans-Jürgen Linke

Dass die Terrorgefahr steigt, ist nun wirklich keine Neuigkeit, für deren Verkündigung man einen Innenminister gebraucht hätte. Der Innenminister ist scheinbar ohnehin nur für ein Spezialgebiet des Terrors zuständig, den waffenstarrenden, professionellen, internationalen Terror, der zu seiner Verbreitung eine komplexe technische und politische Infrastruktur braucht. Wir wollen diesen Terrorismus genannten Terror wirklich nicht gering schätzen, wir haben da großen Respekt, aber so weiträumig er sich auch um den Globus ausgebreitet hat, besetzt er doch auf der semantischen Terror-Weltkarte nur ein saarlandkleines Areal.

Die deutsche Umgangssprache ist da weiter und präziser. Wer hätte nicht, seit allenthalben von einer Zunahme der Terrorgefahr die Rede ist, zustimmend genickt und spontan an Weihnachten gedacht? An den Konsum- und Familienterror, der gerade exponentiell zuzunehmen begonnen hat, bei dem Pakete mit dubiosem Inhalt eine erhebliche Rolle spielen und selbst kurze Nebensätze eine erhebliche Sprengkraft entfalten können?

Der vorweihnachtliche Konsum- und Familienterror sind ihrerseits wiederum nur Spezialfälle eines viel fundamentaleren Terrorzusammenhangs, dessen Allgegenwart immer wieder abgrundtief erschrecken lässt. Wenn wir die Dinge historisch und ideologiekritisch betrachten, dann ist Terror nichts weiter „als rasche, strenge und unbeugsame Gerechtigkeit. Er ist eine Offenbarung der Tugend. Der Terror ist nicht ein besonderes Prinzip der Demokratie, sondern er ergibt sich aus ihren Grundsätzen“.

Das schrieb Maximilien de Robespierre, und sage niemand, ausgerechnet der habe nicht schon vor dem 28. Juli 1794 gewusst, wovon er da schrieb. Es ging nicht um Telefon- oder Psychoterror, sondern um die Verbreitung von Angst und Schrecken, um „das Volk durch Vernunft zu leiten und die Feinde des Volkes zu beherrschen“.

So gesehen ist die massenmediale Verbreitung dringlicher Terrorwarnungen durch einen Innenminister selbst eine Form von Terror, für die man keinen Koffer mit zündfähigem Material benötigt. In Zeiten des Terrors ist es wichtig, alle Botschaften und ihre Verpackung genau anzuschauen.

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