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Times Mager

Aufs Rad

  • VonHans-Jürgen Linke
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Frankfurt am Main hat laut Kriminalstatistik 2008 die höchste Kriminalitätsquote. Dass da überhaupt noch Menschen freiwillig zu leben scheinen, ist unter anderem ein Beleg für die wunderbare Freundundhelferhaftigkeit unserer Polizei. Von Hans-Jürgen Linke

Kunstdiebstähle, ja. Und natürlich Copyrightvergehen und alle möglichen, auch also die metaphorischen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Aber sonst? Weder die Kriminalität noch die Statistik gehören gemeinhin zu den bevorzugten Themengebieten des Feuilletons, und also schon gar nicht deren Schnittmenge, die Kriminalstatistik. Dennoch fiel die Meldung ins Auge, dass die westfälische Backsteinstadt Münster die niedrigste Aufklärungsquote bei Kriminalität in Deutschland habe.

Allerdings keineswegs - bevor sich die Münsteraner jetzt irgendwelchen Illusionen hingeben - auch die höchste Kriminalitätsquote. Die liegt in (Tusch!) Frankfurt am Main immer noch am höchsten mit 16.408 Delikten pro 100.000 Einwohner. Wenn man, rein statistisch, annimmt, dass zu jedem Delinquenten noch mindestens ein Mensch gehört, an dem das Verbrechen begangen wird, dann wären 32.816 Frankfurter von 100.000 pro Jahr auf der aktiven oder passiven Seite an einem Verbrechen beteiligt, also fast jeder dritte. Dass in Frankfurt überhaupt noch Menschen freiwillig zu leben scheinen, ist einerseits ein eindrucksvolles Beispiel für die Anpassungsfähigkeit des Homo sapiens an seine jeweiligen Biotope, andererseits aber auch, wir bitten um einen weiteren Tusch, ein Beleg für die wunderbare Freundundhelferhaftigkeit unserer Polizei.

Bevor wir jetzt aber die indiskutable münstersche Verbrechensaufklärungsquote anprangern und dem bekannten Polizeiteam in die Schuhe schieben, also Kommissar Frank Thiel, Rechtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne und Alberich, sollten wir noch einmal genauer hinschauen, wie wir es im Tatort gelernt haben.

In der münsterschen Verbrechensstatistik liegt ein Delikttypus weit vorn, mit dem Thiel und Boerne normalerweise nicht befasst sind, nämlich Fahrraddiebstähle. Fahrraddiebstähle aber haben, fragen Sie mal im Polizeirevier Ihres Vertrauens nach, eine lächerlich geringe Aufklärungsquote, weil eben jeder ein Fahrrad hat und wenn er keins hat, schnell eines mitnimmt. Münster soll sich also bitte nicht brüsten mit seiner niedrigen Aufklärungsquote. Für die paar Fahrräder lohnt die Arbeit einfach nicht. Mordermittlungen aber können sie in Frankfurt genau so gut wie in Münster.

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