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Harry Nutt ist Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Berlin.
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Harry Nutt ist Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Berlin.

Times Mager

Aufklärung

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Die Empörung über Ai Weiweis Festnahme ist groß und berechtigt, die Unerbittlichkeit eines verunsicherten chinesischen Regimes präsentiert sich von seiner hässlichsten Seite

Man wird sich darauf einstellen müssen, auch in den nächsten Tagen keine neuen Nachrichten zum Verbleib und gesundheitlichen Zustand des chinesischen Künstlers Ai Weiwei zu erhalten. Die Empörung über dessen Festnahme ist groß und berechtigt, die Unerbittlichkeit eines verunsicherten Regimes präsentiert sich von seiner hässlichsten Seite.

Hierzulande reagieren Kulturpolitiker, Museumsleute, Wirtschaftsvertreter sowie das Auswärtige Amt beschämt auf die Vorgänge in Peking. Noch ehe die schönen Reden über die „Kunst der Aufklärung“ und die Kraft des Dialogs verklungen waren, setzte die chinesische Polizei dem Feinsprech brachial ein Ende. Die deutsche Delegation, die festlich hofiert wurde und ein modernes und zukunftsoffenes Peking zu sehen bekam, wurde ebenso kalt und unmissverständlich durch die Festnahme Ais brüskiert. In den politischen Kommuniqués werden Versuche der Einmischung oft wortstark zurückgewiesen. In diesem Fall aber wurde eine kunsthistorische Ausstellung als subtile Form der Einmischung erkannt und auf perfide Weise vorgeführt.

Die Vorgänge von Peking sind in Bezug auf das Schicksal Ais tragisch. In kulturpolitischer Hinsicht sollten sie aber einen Signalcharakter hinsichtlich des Selbstverständnisses haben, wie künftig gegenüber Ländern mit semi-rechtstaatlichen Strukturen umgegangen werden kann. Ein bloßer Rückzug wäre unpolitisch, sanftes, meist wirtschaftlich motiviertes Appeasement fatal. Der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, hat darauf hingewiesen, dass die willkürliche Festnahme Ais auch gegen chinesisches Recht verstößt. „Man darf sich nicht eingarnen lassen“, so Lehmann gegenüber der FR, „sondern muss sehr genau wissen, wo die rote Linie verläuft, die nicht überschritten werden darf.“ Wenn man sich dessen bewusst ist, so Lehmann, seien Ausstellungen wie diese gerechtfertigt.

Es ist ein zweifelhafter Pakt, den Museumsleute und Kulturpolitiker eingegangen sind. Gerechtfertigt erscheint er aber auch durch ein chinesisches Publikum, das diesen Kulturtransfer mit großer Aufmerksamkeit registriert.

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