Es ging darum, einem der schwer bepackt durch unsere Städte rennenden Dienstleister eine weitere Bürde aufzuladen.
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Es ging darum, einem der schwer bepackt durch unsere Städte rennenden Dienstleister eine weitere Bürde aufzuladen.

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  • Stephan Hebel
    vonStephan Hebel
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Von der wunderbaren Frau T. Müller (Nachname geändert) in den Weiten der Hotline.

Hier und da ist die gemein gemeinte Bewertung zu hören, ein Vorgang oder eine Person habe „schwach angefangen und dann stark nachgelassen“. Im vorliegenden Fall allerdings hat die Sache stark angefangen, um dann jedoch umso stärker nachzulassen.

Es geht um das bedeutende Thema „Wirtschaft in der digitalen Welt“, hier: Wir machen im Internet eine Bestellung. Beziehungsweise: Wir geben sie auf – ein Ausdruck, der sich am bitteren Ende leider als im zweifachen Sinne treffend erwies.

Es ging darum, einem der schwer bepackt durch unsere Städte rennenden Dienstleister eine weitere Bürde aufzuladen. Einem der Menschen also, häufig nicht biodeutscher Herkunft, von denen gerne mal behauptet wird, sie nähmen uns unsere Arbeitsplätze weg, außer wenn sie daran arbeiten, uns mit allem zu versorgen, was der Versandhandel zu bieten hat. Nur, das Ding (welches, spielt hier keine Rolle) kam halt nicht.

Der erste Anruf bei der „Hotline“ landete bei einem Herrn, der die Botschaft „Keine Ahnung, mir doch egal“ in nur wenig höflichere Worte fasste. So etwas wie „… lässt sich von hier aus nicht nachverfolgen“ und „… haben wir keinen Einfluss drauf“. Der zweite Anruf, eine Woche später, landete allerdings bei der wunderbaren Frau T. Müller (Nachname geändert), die hier nur als Meisterin fernmündlicher Dienstleistung gewürdigt werden kann.

Neben einem sehr erquicklichen Austausch über die Arbeit im Homeoffice mit Ausblick auf malerische Landschaften kam es zur ernsthaften Befassung mit dem Anliegen des Kunden, aus der sich die Lage deutlich ergab: Die Anbieterfirma sei hier lediglich Vermittlerin, die Frist des Herstellers zur Lieferung laufe in wenigen Tagen ab, aber sie, Frau T. Müller, werde zurückrufen, sobald sie sich der genauen Lage vergewissert habe.

Nur noch mal zur Verdeutlichung: Diese Dame, die in ihrem Beruf sicher nicht viel reicher wird als ein Paketbote, sprach in ganzen, nicht auswendig gelernten, mit Inhalt versehenen Sätzen! Ja, die Situation hatte geradezu den Charakter eines Gesprächs. Der Kunde, längst an die dürftigen Ansagen künstlicher Intelligenz oder menschlicher Schlichtheit gewöhnt, gewann ein Häppchen Glauben an die Menschheit im digitalen Zeitalter zurück.

Wenige Tage später kam der Rückruf. Frau T. Müller, sagte eine Kollegin, habe heute frei, deshalb übernehme sie das nun. Beim Einbuchen des Produkts sei etwas schiefgelaufen, die Lieferung komme nicht, und ausverkauft sei das Produkt auch.

Tja, es blieb nichts übrig, als die Bestellung ein für alle Mal aufzugeben. Trotzdem tausend Dank, liebe Frau T. Müller (Nachname geändert)!

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