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Wozu brauche man eigentlich im Alter Geld, fragt Rembrandt.

Times mager

Aufbegehren

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Während der letzten Schaffensphase, zu seinem Lebensende hin, hatten sich Rembrandts Lebensumstände krass verändert.

Rembrandt verlagert das Gewicht auf der Sitzfläche, stemmt den Rücken gegen die Rückenlehne. Er signalisiert, dass er auch aufstehen könne, umgehend. Rembrandt, die Arme auf die Lehnen gestützt, macht deutlich, dass er auch weggehen könne. Rembrandts Schultern, während er seine Arme nicht mehr aufstützt, sondern sich mit den Händen abstützt, beugen sich vor. Muss er noch mehr sagen?

Er muss nicht. Sein Gesprächspartner findet es theatralisch, wie sich Rembrandt gibt, das passt zu seinen Werken. Rembrandts Gegenüber ist es gleichgültig, was ihm der alte Künstler signalisiert. Rembrandts Geschäftspartner sagt sich, er müsse nicht. Die Werke des Alten gehen weiterhin recht gut, aber er hat auch andere Künstler an der Hand.

Der Halsabschneider muss nicht, so wird es auch Rembrandt klar, sein Gegenüber muss ihm das Werk nicht abkaufen. Der Käufer hat das Geld, er hat das Bild, für das es kaum noch etwas gibt. So geht das hin und her, bis es Rembrandt zu viel wird.

Rembrandt sagt, auswandern solle man.

Ach, ja? Und wohin?

Andererseits, sagt Rembrandt, könne er auch sitzenbleiben, sehr lange sogar, betont Rembrandt.

Ach ja, sagt der Agent, er sei wohl sehr sprunghaft, erst mit der Auswanderung drohen, und dann schaffe er es nicht mal mehr aus seinem Sessel. Das Alter?

Jetzt, endgültig, wäre es für Rembrandt an der Zeit aufzustehen, aus verschiedenen Gründen, wegen seines Namens, wegen seiner Ehre, weil er gedemütigt worden ist, obwohl es dafür allerdings keinen Zeugen gibt, nicht für die Erniedrigung seines Künstlernamens, nicht für die Entwürdigung seines Ich. Allerdings gab es dafür, dass er zu Hause ankündigte, nur mit einer hübschen Summe wiederzukommen, jedenfalls mit Geld, Zeugen. Und so starren sich jetzt beide an, Rembrandt und der Abnehmer.

Wozu brauche man eigentlich im Alter Geld, fragt Rembrandt, und der Abnehmer lächelt: Eben!

Während der letzten Schaffensphase, zu seinem Lebensende hin, hatten sich Rembrandts Lebensumstände krass verändert. Keine Krönung. Und so fand sich Rembrandt, nachdem sein Aufbegehren gescheitert war, damit ab, zu schweigen, und das tat der Abnehmer des Werks mit ihm, beide schwiegen, einvernehmlich aber unterschiedlich. Bis sie sich beide erhoben, vergingen einige Sekunden, doch als sie das taten, nickten sie, womit klar war, dass das Abgeben des Bildes besiegelt war, insgesamt ein Verkauf, von dem sich unter den zum Abschluss kommenden Rembrandtbedingungen kaum mehr als einen Monat leben ließ, einen weiteren.

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