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Nun ist es auch um A. Nübel geschehen, einen Flugkünstler auf der Linie, bisher.

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Alexander Nübel: Die Ariel-Natur des Torwartspiels

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Die wunderliche Geschichte vom Fußballtorwart. Jetzt hat die seit Jahren betriebene Aggression Rache genommen.

Dass das Fußballtorwartspiel ein friedliches Handwerk sei, ist eine Erzählung aus uralten Zeiten. Luffe Wolter, Braunschweiger, für einige Jahre Nationaltorhüter und hartnäckiger Konkurrent Sepp Maiers, war so einer, eben die Ruhe selbst. Und es war Sepp Maier, der die Kunst beherrschte, dem Gegner den Ball vom Stiefel zu pflücken – stoisch. Es gab die „Bank von England“, Gordon Banks, durch und durch seriös, ebenso wie Hans Tilkowski im Kasten des BVB.

Nicht umgehend, aber doch recht bald traten die ersten stumpf agierenden Kraftpakete auf, denn auch wenn weiterhin gelegentlich Grazie aufkam, so begann doch die Ära der Aggression, wie sie der deutsche Nationaltorhüter Toni Schumacher einführte, 1982 im WM-Halbfinale gegen Frankreich, durch sein bis dahin beispiellos brutales Foul an dem Franzosen Battiston. Schumachers Torwart-Offensive markierte den Übergang vom kämpferischen zum ungehemmt-aggressiven Torwartspiel. Obwohl er die Fertigkeit des Abwartens einführte, das Verharren, bis der Bewegungsablauf des Angreifenden eine Schwäche verriet, um wahlweise abluchsen oder zupacken zu können; obwohl Schumacher die 1:1-Situation, den Triumph im Zweikampf perfektionierte, wurde er gleichzeitig zum ersten Aggressor in den Strafräumen seiner Zeit.

Nübel-Attacke: Jäh einen Oliver Kahn vor Augen

Schon Schumacher erklärte die Eulenspiegeleien eines Wolfgang Kleff und die Valentinaden eines Sepp Maier zur Vergangenheit. Ihm, dem Größten im Tor, musste man nicht sagen, dass er ein Athlet war, doch indem er das war, gab er nie die Ariel-Natur des Torwartspiels auf, eine Seite des Spiels, die Schumacher mit seinen rücksichtslosen Attacken (auch gegen sich selbst) zum Verschwinden brachte.

Kommentar zur Nübel-Attacke:  Alexander Nübel - Enkelkind der Entwicklung

Vergessen das Torwartspiel eines Maier und Wolter, Banks oder Tilkowski, vergessen erst recht, wenn man an das brutale Foul des Schalkers Alexander Nübel an dem Frankfurter Mijat Gacinovic denkt. Und sich dabei nicht nur an einen Schumacher erinnert, vielmehr jäh einen Oliver Kahn vor Augen hat, dafür bekannt, Furcht und Schrecken einzuflößen. Das war Kahns Spiel. Seinem Torminatorspiel war das Kreative stets fremd, von ihm ging stets der Wille zur Zerstörung aus. Und wie oft war er seinen Taten (und Großtaten) der erste Kommentator, indem er sich mit geballter Faust barbarisch kommentierte. Conan Kahn, wie ein Rächer.

Nübel-Attacke: Brutal gelandet

Nun ist es auch um A. Nübel geschehen, einen Flugkünstler auf der Linie, bisher. Jetzt hat die seit Jahren betriebene Aggression Rache genommen, nicht allein an einem wüsten Athleten, auch an einem bislang eher fairen Mann der Lüfte, am Wochenende irrlichternd vor seinem Strafraum. Indem ein Ariel N. zum Barbaren wurde, ist er brutal gelandet.

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