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Eva Demski, interviewt von Claus-Jürgen Göpfert.
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Eva Demski, interviewt von Claus-Jürgen Göpfert. (Archiv)

Times mager

Asthmatod

  • Christian Thomas
    vonChristian Thomas
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Eva Demskis 1984 erschienener Roman „Scheintod“, ausgewählt für die Veranstaltungsreihe „Frankfurt liest ein Buch“, lässt keine Ruhe.

Den Fall noch einmal aufgerollt, macht der Roman die Aussage, dass ein linker Anwalt, im Roman „der Mann“, im wahren Leben der Strafverteidiger Reiner D., dreißig Jahre alt, zu dessen Klientel Heiminsassen, Dealer, RAF-Terroristen, Huren und Stricher gehörten, in seiner Kanzlei, in der er auch wohnt, tot aufgefunden wird. Keine Merkmale eines gewaltsamen Todes. Einer durch Asthma. Seine von ihm seit einigen Jahren getrennt lebende Frau, von BKA-Beamten angesprochen als „Frau D.“, beschäftigt sich mit dem Toten umso intensiver, je mehr ihr bewusst wird, dass sie vom Leben des Geliebten zu wenig weiß. Von dessen politisch konspirativen so wenig wie von den privaten Obsessionen „des Mannes“

Eva Demskis Roman „Scheintod“ erneut aufgeschlagen, kommt man zudem zurück auf Aussagen über ein umstrittenes Buch. Sagenumwoben nämlich die Reaktionen auf ein linkes Buch, einen legendär linken Roman.

Den Anfang machte im März 1984 die „FAZ“, mit einem bizarren Verriss. Es folgten Besprechungen im „Spiegel“ und in der „Süddeutschen“. Im Mai eine Kurzkritik, 26 Zeilen in der „Zeit“. „Die Weltwoche“ beschäftigte sich mit dem „Grabgesang auf das Jahr 68“ im Mai. Das epochale Buch erörterte in der (längst vergessenen) Zeitschrift „lesezeichen“ Volker Reinhardt. In dem Magazin „lit“, machte sich ein Klaus Schöffling für den Roman stark, stark, weil Schöffling offenbar über Hinweise auf einen großen Unmut verfügte, einen linken Wuthintergrund.

Über Wochen, Monate subsumierten sich Reaktionen und Rezensionen. Legendäre Lesarten – aber eine seitdem auch überprüfte Rezeptionsgeschichte? Also hockt man auf einem Schemel im Keller, weil man im Besitz eines privat gepflegten Archivs ist.

Am 30. Juli kommt die FR auf den Frankfurt-Roman zu sprechen – trefflich die Überschrift: „Erstickungstod einer Revolution“. Durch sie erhielt der Asthmatod eines Anarcho-Anwalts eine historische Dimension. Eine historische?

Die Revolution war bei Erscheinen des Romans, 1984, tatsächlich Geschichte. „Erstickungstod“; damit war das Private, der Asthmatod, zugleich politisch zu lesen. Und das Politische durchdrang noch einmal das Private. Dialektik! Es stand der Alltag, stand unter dem Diktat einer allgemeinen Anspannung.

Eva Demskis „Scheintod“, ausgewählt für die traditionsgesättigte Veranstaltungsreihe „Frankfurt liest ein Buch“, erzählt vom Asthmatod des „antiimperialistischen Kampfes“. Ersticken geht vom Kopf aus. Das galt auch für die Kopfgeburt Revolution. Wie auch immer, die Headline hätte nicht triftiger sein können.

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