1. Startseite
  2. Kultur
  3. Times mager

Arrgh!

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Judith von Sternburg

Kommentare

Wie er wohl spricht?
Wie er wohl spricht? © Axel Heimken/dpa

Am Montag ist wieder Sprich-wie-ein-Pirat-Tag. Das ist nicht jedermanns Sache.

Der Sprich-wie-ein-Pirat-Tag am 19. September ist ein typischer Spaß aus den 90er Jahren, die einem heute besonders lange her erscheinen mögen. Zwei Kumpel in den USA hatten sich das als Quatschtag ausgedacht, ein paar Jahre später – und das freut das Times mager ganz persönlich – machte eine Zeitungskolumne von Pulitzer-Preisträger Dave Barry den „International Talk Like a Pirate Day“ aber erst wirklich bekannt (man ärgere sich darüber, dass man nicht selbst darauf gekommen sei, so Barry).

„Die Hauptsache am Talk Like a Pirate Day ist, dass man die Piratensprache beherrscht, die passenden Piratengetränke parat hat und immer eine steife Brise und drei Segel im Wind“, informiert eine werblich orientierte Spirituosen-Netzseite, und man stellt sich neben Ausrufen wie „Beim Klabautermann“ die wildesten Flüche vor. Und zu Recht. Das dürfte der entlastende Effekt dieses Tages sein (vergleichen Sie das bitte mit den eingeschränkten Möglichkeiten eines frischgebackenen Königs am Ende dieses Textes).

Wer die „Piraten der Karibik“-Phase in seiner Biografie weitgehend übersprungen hat, hängt bei diesem Thema entweder in der gar nicht lustigen Gegenwart fest oder süßen Erinnerungen nach, in denen Kirk Douglas, Errol Flynn und Burt Lancaster die Hauptrollen hatten. Allerdings zeigt sich dann bei näherer Hinsicht, dass Kirk Douglas einen Wikinger spielte, Errol Flynn einen Gentleman, der da nur zufällig reingeraten war, und allein Burt Lancaster einen waschechten Piraten, jedoch einen irgendwie auch noblen. Dass Piraten nicht nobel sind, zeigt sich mit Nachdruck damals nur in „Die Schatzinsel“. Falls Sie am Sprich-wie-ein-Pirat-Tag dennoch teilnehmen möchten, hier noch ein konstruktiver Hinweis des „Woffelsbacher Piratenpacks“ auf „allgemeine Piraten-Ausdrücke, die zu jedem Anlass verwendet werden können“: „Arr! / Argh / Arrgh! / Yarr! / Harr! etc.“ Lassen wir es dabei bewenden.

Humor ist ein weites Feld. Es lachen ja nicht einmal alle über König Charles III., dem bei einer Unterschrift zu seinem Ärger offenbar der Füller auslief, außerdem stellte er durch den diskreten Hinweis eines, äh, Untergebenen fest, dass er sich im Datum geirrt hat. Alles ist in Bild und Ton festgehalten, Charles knurrt und es entfleucht ihm ein leises „verdammt“, vermutlich der allerschlimmste Fluch, den ein König über die Lippen bringen kann. Queen Consort Camilla steht ihm bei, eine Szene aus einem zermürbenden Berufsalltag, bei dem einem ständig Menschen zuschauen und zwar alle Menschen der Welt, die einen Zugang zu elektronischen Medien haben. Schon gibt es eine grandiose Parodie von Alain Chabat, charakteristischerweise also aus Frankreich.

Auch interessant

Kommentare