1. Startseite
  2. Kultur
  3. Times mager

Armfrei

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Stillbauer

Kommentare

Ist Paprika wichtig? Oder doch egal?
Ist Paprika wichtig? Oder doch egal? © afp

Lustige Sprüche auf T-Shirts sind meist nur ein- oder zwei- oder dreimal lustig. Und was macht man dann mit dem Ding?

Frühlingszeit, T-Shirt-Zeit. Wer auch in der diesjährigen Hitzeperiode armfrei herumzulaufen trachtet, was nicht heißen will: ohne Arme, sondern: ohne Textil am Arm, der sollte zwei Dinge haben: Arme und T-Shirts, möglichst in vorzeigbarer Verfassung.

Nicht so leicht, denn oft führt der jugendliche Drang, sich Leibchen mit Sprüchen zum Lachen zuzulegen, in die Sackgasse. Mag es noch so lustige Motive geben („The walking Dad“, „Lassen Sie mich durch, ich bin Landwirt“) – sie sind im Großraumbüro genau einmal lustig, ein weiteres Mal in der Kneipe und dann nur noch im Urlaub oder als Nachthemd. Am besten, man lässt sich von Mutti in den Stoff sticken, wo das Motiv „Der hat W-Lan“ (zwei Vögel auf der Hochspannungsleitung, daneben einer freischwebend) schon verbraucht ist, um Wiederholungen zu vermeiden.

Im Leben kristallisiert sich eine Erkenntnis heraus: Es ist toll, am Stammtisch stundenlang lustige T-Shirts auszutüfteln, aber diese Hemden dann auch zu tragen – schwierig. Ein Aufdruck wie „Mann, bin ich ein Hähnchenfreund!“ oder „Scheiße, die Masern“: nach drei Bier der Kracher, aber am nächsten Tag hinter der Ladenkasse? Kaum. Das Statement „Man will Fischer sein“ (Rückseite: „Oder Fährmann“) erschließt sich in Island am Strand, aber nicht in jedem gesellschaftlichen Zusammenhang. Das gilt auch für „Paprika ist mir wichtig“, genauso wie für die Variante „Paprika ist mir egal“. Und würden Sie ein T-Shirt, das Sie fragt: „Wie lang ist ein Stück Schnur?“, auf Anhieb verstehen?

Besonders tragisch: Von fantastischen Menschen das T-Shirt-Modell „Bitte nicht schubsen! Ich habe einen Joghurt im Rucksack“ (schüchterner Vogel, der einen Rucksack trägt) geschenkt bekommen – und Sekunden später hat sich die Formel in die ganze Welt verbreitet, sicher auch auf Niederländisch („Alsjeblieft niet duwen, ik heb een yoghurt in de rugzak“) und Rumänisch („Va rugam sa nu împingeti! Am un iaurt în rucsac“), wobei das ja schon wieder witzig wäre. Aber eben auch nur einmal pro Publikum.

Extremitätenfrei anzutreten ist in manchen Berufen ohnehin problematisch. Jüngst veröffentlichte ein bekannter WDR-Journalist den Brief eines Fernsehzuschauers, der ihn aufforderte, „in Zukunft als Moderator am Abend nicht mehr Ihre nackten ARME zu zeigen“ (mit Schreibmaschine), und schloss: „Danke im Voraus, wenn Sie eine Jacke tragen würden.“ Von Beinfreiheit wollen wir hier erst gar nicht anfangen.

Demnächst: Der beschwerliche Weg zu den passenden Armen für den T-Shirt-Look, denn wie heißt es so schön: tja, keine Arme, kein Schokoladenkuchen.

Auch interessant

Kommentare