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Bingen am Rhein.
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Bingen am Rhein.

Times mager

Apropos Bingen

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Der ICE rauscht just durch Bingen, da ergibt sich im Gespräch die Erkenntnis: Die Romantik erst hat den Fluss zur großen Fiktion gemacht.

Das komme wahrscheinlich nicht vollkommen überraschend, wenn er jetzt sage, wendet sich der Rheinstreckenreisende seinem Großraumwagengegenüber zu, dass der Rhein tatsächlich erst von der Romantik entdeckt worden sei. Gut, es sei die eine oder andere Rheinkarte bereits Mitte des 16. Jahrhunderts entstanden, auch die eine oder andere Reiseerzählung, damals, also richtig damals. Aber es gab nicht diese zielgerichtete Erkundung, wie sie die Romantik zu Beginn des 19. Jahrhunderts auslöste. Und umgehend habe sie den Fluss zur großen Fiktion gemacht, etwa ab hier fing das an, sagt der Bahnreisende. Da rauscht der IC durch Bingen, denn es ist ja nicht nur der Rhein, es ist auch die Bahn, die rauscht, gleich neben dem Strom, der für die Rheinreisenden vor rund 200 Jahren eine solche Riesenentdeckung war, dass sie dem bis dahin bloß gemein gesehenen Fluss mit einem Male einen höheren Sinn, der bis dahin als gewöhnlich empfundenen Landschaft ein geheimnisvolles Aussehen andichteten, und zwar im Wortsinn, betont der IC-Reisende lächelnd (wobei man sich das Lächeln auch einbilden kann).

Die Übermacht der Phantasie

Sie merken schon, sagt er, und die Frage richtet sich an sein Gegenüber: Er wolle darauf hinaus, dass es kaum ein besseres Beispiel für die Übermacht der Phantasie gebe als die Rheinromantik, und dieser letzte Satz, dieser Nebensatz sei ein Zitat, das heißt, er könne ab dem Wörtchen kaum ein Anführungszeichen setzen und hinter Phantasie die Abführung, denn das sei ein Zitat aus einer der großen Darstellungen der Romantik.

Der Reisende macht eine Pause, eine Kunstpause, ganz offensichtlich, um, als er sie beendet, zu sagen: Die Mehrzahl seiner Mitreisenden, die er auf dieser Strecke auf die Probe gestellt habe, könnte die Frage nicht beantworten. Und dann seien da natürlich die, die Goethe sagten, und zwar prompt, oder aber die Handvoll in den letzten Jahren, die auf seine Frage Rüdiger Safranski meinten, weil sie in dem Biografen auch so etwas wie einen Romantikpapst sähen.

Der Mitreisende, der IC hat Bingen hinter sich, auch einen Vorort Bingens, passiert in diesen Sekunden das berühmte Binger Loch, sagt: Ich sag Ihnen was. Das Zitat über die so unendliche wie überhaupt nicht unproblematische Phantasiefreude der Romantik stamme aus dem großen Romantikbuch der Ricarda Huch.

Woraufhin der Zuhörer, der sich auf der Rheinreise der beiden zufällig zusammengekommenen Zugnachbarn deutlich zurückgehalten hat, einfach mal sagt:

Bingo!

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