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Ein afghanischer Junge liest im Koran. Es gebe eine friedliche Deutung des Korans - aber auch eine gewalttätige, stellt Khorchide fest.
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Ein afghanischer Junge liest im Koran. Es gebe eine friedliche Deutung des Korans - aber auch eine gewalttätige, stellt Khorchide fest.

Times mager

Appeasement

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Zur eigenen Heiligen Schrift hat der christliche Fundamentalist eine ebenso unbeugsame Haltung wie der jüdische Siedlungsfanatiker in Palästina. Und er muslimische Fundamentalist?

In einem Interview, das er jetzt der FR gab, gibt der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide Folgendes zu bedenken: „Die Selbstinszenierung der Pariser Terroristen zeigt, dass sie als ,Vollstrecker göttlicher Rache‘ berauscht sind von der Erfahrung eigener Macht. Für Menschen, die sich sonst immer als ohnmächtig erlebt haben, ist das unglaublich faszinierend.“

Khorchides Analyse verweist auf den Kern einer Problematik, die die Bestsellerautorin Ayaan Hirsi Ali soeben ähnlich formuliert hat: „Wir müssen erkennen, dass die heutigen Islamisten von einer politischen Ideologie angetrieben werden, einer Ideologie, die in den grundlegenden Texten des Islam eingebettet ist. Wir können nicht länger so tun, als sei es möglich, die Taten zu trennen von den Idealen, die sie inspiriert haben.“

Allerdings zieht die ehemalige Politikern, die in Somalia als Fünfjährige Opfer einer Klitorisbeschneidung wurde, weit weniger moderate Schlussfolgerungen als der in Beirut geborene und in Münster lehrende Islamwissenschaftler. Die Inspiration von Gewalt durch fatale Ideale/Worte, so Ayaan Hirsi Ali, „muss der Ausgangspunkt sein für den Westen, der auf die dschihadistische Gewalt zu oft mit Appeasement geantwortet hat“.

Ein übertriebener Befund?

Appeasement gegenüber der Gewalt? Angesichts der Arsenale, die der demokratische Rechtsstaat aufgerüstet hat, möchte man den Befund für übertrieben halten. Zumal, so wiederum Khorchide, eine Debatte über die ideologischen Rüstkammern der Gewalt auch innerislamisch geführt werde: „Um die Auslegung des Korans ist innerislamisch ein heftiger Kampf im Gange. Es gibt eine friedliebende Deutung des Korans, aber auch eine gewalttätige.“ Allein die Hälfte der Erkenntnis klingt nicht gut.

Zweifellos ist es für eine Religion wie den Islam, die sich als Konkurrenzangebot zum Westen versteht, nicht erfreulich, wenn dieser Empfehlungen gibt, wie die muslimische Gemeinschaft ihre eigenen religiösen Texte zu lesen habe. Auch besteht gegenüber dem geschriebenen Wort des Islam kein Anlass zur Selbstgerechtigkeit. Zur eigenen Heiligen Schrift hat der christliche Fundamentalist eine ebenso unbeugsame Haltung wie der jüdische Siedlungsfanatiker in Palästina.

Dennoch ist das Eingeständnis Khorchides beunruhigend: „Allerdings, das gebe ich zu, ist eine historisch-kritische Lektüre der heiligen Schriften in der christlichen Theologie ungleich selbstverständlicher als unter islamischen Gelehrten.“ Man könnte den bewussten Verzicht auf eine kritische Lesart ein innerislamisches Appeasement nennen.

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