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Wer Joseph Fiennes (sprich: Fains, das s weich wie in Sahne) als „Shakespeare in Love“ schon immer für eine romantisierende Fehlbesetzung hielt, darf sich jetzt freuen.
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Wer Joseph Fiennes (sprich: Fains, das s weich wie in Sahne) in „Shakespeare in Love“ schon immer für eine romantisierende Fehlbesetzung hielt, darf sich jetzt freuen.

Times mager

Antlitz

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Jetzt scheint doch klar zu sein, wie Shakespeare aussah. Nicht wie Joseph Fiennes.

Jetzt zeigt sich also, dass Shakespeare doch nicht aussah wie Joseph Fiennes. Das ist ernüchternd, zumal sich, wider Erwarten, ein Bildnis in die erste Reihe der durchaus zahlreichen Ist-es-nun-Shakespeare-oder-nicht-Bilder schiebt, das zuletzt keinen guten Ruf genoss. Nachdem man es oft genug im Schulbuch betrachtet hatte, war die Devise eher: So sah Shakespeare jedenfalls nicht aus. So kugelköpfig. So ungenial.

Man hat das betreffende Bildnis, der britische „Guardian“ zitiert es süffisant, mit dem eines „selbstzufriedenen Metzgers“ verglichen, aber eben nicht, um zu sagen, dass ein großer Poet und ein selbstzufriedener Metzger sich äußerlich nicht unterscheiden müssen (innerlich: keine Ahnung), sondern um den einen gegen den anderen auszuspielen. Und zwar zum Nachsehen des selbstzufriedenen Metzgers. Das ist absolut nicht okay, und es war ja auch ein Fehler. Stand jetzt.

Es ist die US-amerikanische Anglistin Lena Cowen Orlin, die nun belegen möchte, dass es doch das Grabsteinporträt in Stratford-upon-Avon ist, das dem Antlitz des Barden am nächsten kommt. Vor allem, zu diesem Schluss kommt Orlin laut „Guardian“, ist es wohl deutlich älter als gedacht und nämlich bereits zu Lebzeiten Shakespeares hergestellt worden. Der Autor selbst habe es in Auftrag gegeben, der auf Grabsteine spezialisierte Nicholas Johnson (der ein Jahr vor Shakespeare starb) sei der wahrscheinlichste Bildhauer, dessen Werkstatt nahe dem Globe Theatre lag und dessen Reisetätigkeit ihn auch an Ort und Stelle in die Holy Trinity Church nach Stratford brachte. Markant, so Orlin, dass Shakespeare testamentarisch die Gestaltung des Grabsteins nicht erwähnt habe (denn es gab ihn eben schon) und dass die beiden Zeilen mit der Information zum Sterbedatum etwas bedrängt wirken. Wie nachträglich hinzugefügt, meint Orlin, von jemand anderem (der etwas blöd war und darum nicht alles in Ruhe und ungequetscht in eine lange Zeile schrieb).

In Stratford staunen die Experten nicht schlecht, zumal es nicht im engeren Sinne neue Tatsachen sind, sondern frisch und munter zusammengesetzte. Es falle einem wie Schuppen von den Augen.

In einer Gegend, in der man sich kaum vorstellen kann, dass Menschen sich für Shakespeares Antlitz brennend interessieren (sie tun es, echt; noch interessanter finden sie bloß den Krümmungswinkel der Wirbelsäule Richards III.), hält sich die Aufregung in Grenzen. Erfreut sind jedoch die, die Joseph Fiennes schon immer für eine romantisierende Fehlbesetzung hielten. Das konnten sie aber bisher vielleicht nicht zum Ausdruck bringen, weil sie logischerweise nicht wussten, wie man den Namen ausspricht. Fains, das s weich wie in Sahne.

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