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Fußball, dieses ewige Rätsel.
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Fußball, dieses ewige Rätsel.

Times mager

Antizipation

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Der Fußballfan erinnert sich sicherlich gerne, wie wichtig es war, dass Spieler nicht nur immerzu „marschierten“, sondern zu dem einen oder anderen Strategen aufschauten, der „antizipieren“ konnte.

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Eine der großen Entdeckungen des Fußballs war in den letzten Jahren das „Spiel auf Augenhöhe“. Es hat sich in Windeseile durchgesetzt, und fast noch schneller als das Spiel selbst die Formulierung. Angesichts des feststehenden Begriffs, eines weiteren idiomatischen Ausdrucks in einem Sprachspiel, das mit Worteigentümlichkeiten gesegnet ist, sind aber andere Wörter und Wendungen stark in den Hintergrund getreten, nein, natürlich nicht das ungeheure Wort „Notbremse“ oder solche ewigen Rätsel wie der „Alibipass“. Beim Gebrauch des Wortes „Antizipation“ kriselt es jedoch schon lange.

Dagegen „auf Augenhöhe“: Diese an Duell und Kampfsport gemahnende Wendung lässt an Verbissenheit und Niederringerei denken. Ist es nicht so, dass etwa Primaten, wenn sie zu allerlei wild entschlossen sind, unmissverständlich über die Augen kommunizieren? Wie weitsichtig daran gemessen das Wort Antizipation. Nicht gorilla-nackiger Augenkontakt – Weitblick!

Der Fußballfan erinnert sich sicherlich gerne, wie wichtig es war, dass Spieler nicht nur immerzu „marschierten“, sondern zu dem einen oder anderen Strategen aufschauten, der „antizipieren“ konnte. Stets konnte man sich das so vorstellen, dass im Zuge der Antizipation nicht nur von A nach B gedacht und gehandelt wurde. Sondern dermaßen gelaufen oder aber der Ball behandelt wurde, dass zwischen A und E oder gar F das B, C oder D Stationen waren, Zwischenstationen, die die Antizipation praktisch degradierte zu Statisten.

Tatsächlich war die Antizipation die geniale Aneinanderreihung gleich mehrerer Situationen, zu denen es im Grunde keine Alternative gab. Deshalb der immer auch eminent politische Unterton, den die Theorie des Fußballspiels dieser Form menschlicher Betätigung beimaß. Umso auffälliger ist es, dass die Antizipation sich offenbar aus dem Gespräch über das Fußballspiel fast vollständig verabschiedet hat, seitdem sich das Wissen über den Fußball noch stärker damit abgefunden hat, dass sich die Überwältigung des Gegners ungeheuer viel Unerklärlichem, ja absolut Unvorhersagbarem verdankt. Zwischen A und E ist es immer offensichtlicher zur Emanzipation von B, C, und D gekommen!

Ein Geheimnis ist allerdings, dass das heutige Spiel, dieses ungeheure Pressing auf Augenhöhe auf einem athletischen, taktischen, zudem spieltechnischen Niveau stattfindet, hinter das das antizipierende Fußballspiel der 1970er Jahre zurückfällt, eine sagenhafte Periode, die dann aber doch nur dem Rumpelfußball voranschritt. Absolut unerklärlich eigentlich, ja, aber das ist Fußball!

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