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Ist die Berührung mit dem Mainwasser gesund?
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Ist die Berührung mit dem Mainwasser gesund?

Times mager

Ansteckung

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Wie riskant ist es, einen Finger in den Main zu stecken?

Der Mainfischer legte den Finger in eine offene Wunde, eine, die dem Fluss schon 1899 zugefügt worden war. Befragt, wo im Main die preußische Grenze verlaufe, antwortete er: „Da brauche Se nur den Finger ins Wasser zu stecke, wo’s zu stinke anfängt, wird er preußisch.“

Grimmiger Humor oder antipreußischer Affekt? Ein weiterer Aspekt steckt in der Anekdote: mangelnde Einsicht nämlich in eine Entwicklung, verschuldet durch die Industrialisierung, die für jeden Mainfischer unübersehbar geworden war und im selben Jahr, 1899 also, im Jahresbericht eines Kreisfischervereins aufgeführt wurde. Eine Ursache die vermehrte Stauung des Flusses, so dass das „früher gehende Wasser die Abwasser nicht mehr rasch genug entführen kann“. Von einer „rothen und blauen Brühe“ war die Rede, von „gefärbtem Wasser“, das die Fische absterben lasse, von einem Wasser, das nicht allein für die „Thiere gefährlich und tödtlich“ sei, sondern auch für die Menschen. Fischer und Schiffer, die sich mit Mainwasser wuschen, „bekamen kranke Augen“, wurden „ganz grindig“, Flößer, die an den Füßen nass wurden, dicke Füße, und wer eine offene Wunde habe, „läuft Gefahr, eine Blutvergiftung zu bekommen“.

Der Main offensichtlich eine Kloake, den Menschen, die es mit dem Fluss zu tun bekamen, war er ein „tückischer Feind“ geworden. Eine Einsicht vor 2 x 60 Jahren, die vor rund 60 Jahren, in den 1960er Jahren, nichts von ihrer Brisanz eingebüßt hatte, im Gegenteil. Wer konnte, leitete Dreck und tödliche Gifte direkt in den Fluss. Und keiner, der nicht konnte. Irgendwann hieß es, der Main saufe ab. Bemerkenswerte Metapher. Der Main ein leckes Schiff?

Der Untergang eines Schiffes im Main hätte wahrscheinlich drastischere Bilder und heftigere Überschriften abgegeben als das Umkippen eines Flusses. Umkippen? Eine weitere Metapher. Um den Vergleich aufzunehmen: Dem Main wurde wieder aufgeholfen. Doch wie steht er da, heute? Das Internetportal „Wasserqualität“ räumt ein, dass sich diejenige im Main „ein wenig gebessert habe“. Dennoch, „vom Baden in dem Fluss wird nach wie vor, aufgrund der mangelnden Wasserqualität, dringend abgeraten“.

Im Jahr 2017 warnte die Stadt Frankfurt vor jeder auch nur oberflächlichen Berührung: „Sollten Kinder an Oberflächengewässern spielen, wird im Anschluss eine gute Händehygiene empfohlen (gründliches Händewaschen nach dem Spielen in Wasser und Schlamm, insbesondere vor dem Essen).“ Wo ein Kind auch nur einen Finger in Frankfurts Main steckt, zieht es einen durch Wasser angesteckten wieder heraus.

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