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Ist es normal, dass es dunkel ist?
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Ist es normal, dass es dunkel ist?

Times mager

Ankommen

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Deutschland ist abends ganz ungefährlich, will die Frau der Fremden sagen, die mit ihr im Flugzeug sitzt. Aber stimmt das?

Die junge Frau mit den fast taillenlangen schwarzen Haaren und der schwarzrandigen Brille, die beinah so groß ist wie ihr Gesicht, ist immer mehr nach rechts gesunken, vor allem ihr Kopf ist gesunken, so dass er schließlich traulich auf der Schulter der Sitznachbarin liegt. Wird sie sich erschrecken, wenn sie aufwacht und merkt, dass dies nicht die Schulter von jemandem ist, den sie kennt? Sollte die Sitznachbarin darum versuchen, sich sanft zu entziehen? Es gibt aber keine Möglichkeit, sich in den engen Flugzeugsitzen zu entziehen, weder sanft noch anders.

Ohnehin erschreckt sich die junge Frau keineswegs, als sie bald darauf aufwacht, denn der Landeanflug hat begonnen. Sie schaut aus dem Fenster, sie schaut auf ihr Smartphone, dann hält sie es ihrer Nachbarin hin, dort steht doch aber nur die Uhrzeit, 7:15 Uhr. It’s dark, sagt die junge Frau auf Englisch, es ist dunkel, und zeigt auf den Himmel (unten sieht man schon lichtfunkelnde Siedlungen). Und, als sie keine Antwort erhält, denn die Sitznachbarin weiß nicht recht, welche Reaktion von ihr erwartet wird: Is it normal, ist das normal, dass es dunkel ist?

Ah. Die Sitznachbarin versteht und erklärt, dass es noch Winter ist in Deutschland und darum Dunkelheit um 19:15 Uhr völlig normal. Sorgen Sie sich nicht, möchte die dort unten, wo sich die Lichter ballen, seit vielen Jahren Wohnende noch sagen. Sagt sie aber nicht, denn die junge Frau schaut nun konzentriert hinaus, eine ganze Weile. Ob denn, fragt sie dann, dreht sich und blickt ihre Sitznachbarin an, ob denn Deutschland gefährlich sei, wenn es dunkel ist. Is Germany dangerous?

Welche Verantwortung nun plötzlich auf den Schultern der Sitznachbarin lastet, es ist nicht nur ein zarter Kopf mit langen Haaren. Auf den Lippen liegt ihr ein frohes: aber nein, überhaupt nicht! Doch auf welche Abenteuer könnte sich eine junge Frau, eine Fremde einlassen, wenn sie derart dazu ermutigt wird? Auf einen nächtlichen Bahnhofsviertelbummel? Ein vertrauensvolles Aus-dem-Blick-lassen ihres Gepäcks? Andererseits: Besorgt, gar ängstlich möchte die Einheimische diese junge Fremde, die doch wohl zum ersten Mal nach Deutschland kommt, nun auch nicht machen. Sie sagt also: nein. Sie sagt: aber … Sie verstrickt sich und hat die Befürchtung, es mit jedem Satz schlimmer zu machen.

Später beobachtet sie, wie die junge Frau zwei Rollkoffer vom Gepäckband nimmt, einen rechts, einen links fasst, wie sie den grünen „Nothing to declare“-Ausgang entdeckt und zuversichtlich hindurch schreitet. Oder wünscht sich die Beobachterin nur, dass die junge Frau zuversichtlich sei?

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