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Harry Nutt ist Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Berlin.
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Harry Nutt ist Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Berlin.

Times Mager

Angst

  • Harry Nutt
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Wer seine Angst, vor was auch immer, äußert, kann sich öffentlicher Aufmerksamkeit gewiss sein. Afrika, Fußball, Angst. Auch wenn Angola von Südafrika Welten trennen. Von Harry Nutt

Angst ist eine Währung, in der kommunikative Reichtümer angelegt werden können. Wer seine Angst, vor was auch immer, äußert, kann sich öffentlicher Aufmerksamkeit gewiss sein. In ihrem Entsetzen über den Angriff auf die Fußballnationalmannschaft von Togo in der angolanischen Krisenregion Cabinda gestanden am Wochenende hiesige Fußballprofis gleich im Dutzend ihre Sorge um die Sicherheit bei der WM in Südafrika.

Dabei spielte es eine eher untergeordnete Rolle, dass Angola gesellschaftlich und räumlich so weit von Südafrika entfernt ist wie die Schweiz von Weißrussland. Afrika, Fußball, Angst. Mit diesem Dreiklang lassen sich auch Tage nach dem Terroranschlag noch Sondersendungen bespielen, und den Organisatoren der WM in Südafrika wird vorgerechnet, dass sie noch 150 Tage haben, um ihr Sicherheitskonzept zu überarbeiten. Wie es um das Sicherheitskonzept der Winterspiele von Vancouver bestellt ist, erfuhr man in diesem Zusammenhang nicht. Der Dreiklang aus Vancouver, Sportevent und Angst ertönte nicht.

Menschen, auf deren Bildung ein wenig Mühe verwandt worden ist, führen gern die Unterscheidung von Angst und Furcht ein. Während in der klassischen Literatur die Furcht vor etwas stets einen konkreten Anlass hat, ist die Angst ein gegenstandsloses Gefühl, das zugleich aber auch erhabener ist als die Furcht. Wenn Fußballer ihre Angst äußern, machen sie sich dadurch nicht zu Weicheiern, sondern zu umsichtigen Weltbürgern.

Es ist ein naheliegender Verdacht, dass sich in dem Dreiklang Afrika, Fußball, Angst noch immer ein kolonialistischer Rest verbirgt. Es kommt darin allerdings eine Art umgekehrter Kolonialismus zum Ausdruck. Während die Europäer im Verlauf der Kolonialgeschichte ihre ökonomische Macht gerade durch das rücksichtslose Ablegen ihrer Ängste vor dem Fremden und Fernen gewannen, kehren diese nun als geläufige Haltung zurück. Fußballer, zu deren Berufsbild es gehört, ihre Haut hier und da zu Markte zu tragen, möchten lieber bleiben, wo sie sind. Die Angst des Spielers vor der Transferliste kann in diesem Geschäft allerdings nicht vertrieben werden.

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