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Daland Segler ist Medienredakteur der Frankfurter Rundschau.
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Daland Segler ist Medienredakteur der Frankfurter Rundschau.

Times Mager

Angeber

Wer auf sich hält, twittert. Wichtig ist den Nutzern dieses Mediums offenbar vor allem eins: Die ersten zu sein, die mit der Sensation aufwarten können - ein Vademecum für Angeber. Von Daland Segler

Die Zeitung ist ja ein altes Medium. Da widmet man den Geschehnissen auf dieser Welt noch etliche Zeilen, glaubt sogar, dass sie einer Erläuterung bedürfen, geht den Dingen bisweilen gar auf den Grund. Ist unzeitgemäß, irgendwie.

Zeitgemäß hingegen ist Twitter. Die 140-Zeichen-Mitteilungen erhielten ihren großen Schub, als mitten in New York auf dem Hudson River ein Flugzeug notwassern musste. Die erste Nachricht kam samt Foto per Handy von einem Twitterer. Und der schrieb dazu nur: "Crazy". Kein Wort des Bedauerns über eine Beinahe-Katastrophe.

Wichtig ist den Nutzern dieses Mediums offenbar vor allem eins: Die ersten zu sein, die mit der Sensation aufwarten können - ein Vademecum für Angeber. So führte der Twitter-Gründer als Beleg für die Bedeutung des Dienstes an, man könne doch per Twitter erfahren, wenn um die Ecke ein Haus brennt. Von der Feuerwehr hat der Mann wohl noch nie was gehört, ist ja so ein analoges Ding.

Jüngst kam die Nachricht, dass die Gemeinde der Zwitscherer nicht mehr so rasch wächst. Vielleicht trägt dazu bei, dass es finstere Mächte gibt, die den Kurzmitteilern einen Maulkorb verpassen wollen. Nach Verboten in der US-amerikanischen Football-Liga ereilte jetzt auch die Kicker von Manchester United ein Verdikt: Der Verein untersagte den Jungs die Nutzung von Twitter und Facebook und sperrte diese Konten.

Aber was sollen die Fußballer schon zwitschern? Soll Ryan Giggs noch rasch aus der Kabine die Botschaft schicken, dass er Linksaußen spielt, Wayne Rooney über Twitter verkünden, dass er doch zu Real Madrid wechselt oder Rio Ferdinand verraten, dass ihm sein Trainer befohlen hat, Michael Ballack umzusäbeln?

Seltsam genug, dass sich Stars noch Medien zumuten, die ihnen vor allem weitere Behelligung, wenn nicht gar Zudringlichkeiten von Fans bescheren. Angeblich leiden Promis ja darunter, kaum jemals in Ruhe gelassen zu werden. Wie die allgegenwärtigen Herren Becker, Bohlen, Beckenbauer? Dabei haben die bloß begriffen, dass Aufmerksamkeit die Währung der Zeit ist, egal was aus den Sprechblasen quillt. Aber für manch einen wünschte man sich doch, er hätte für sein Dampfgeplauder nur 140 Zeichen.

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