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Times mager

Andere Saiten

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Hier dürfen Sie alles, als Tourist in Rom aber heutzutage viel weniger. Die Feuilleton-Kolumne.

In der Welt im Allgemeinen, in einzelnen Staaten oder Städten im Besonderen, sogar in einzelnen Redaktionen werden immer mal wieder andere Saiten aufgezogen. Andere Saiten sind oft lange, stark und heiß im Gespräch, derzeit etwa bei den E-Rollern, denen, kaum hatte es geheißen „E-Roller-Saiten frei“, das E in bestimmten städtischen Zonen (Parks, Flussufern, Einkaufspassagen, Löwengehegen, überall halt, wo andere Lebewesen durch E-Rollerfahrer in hohem Maße nervös gemacht werden können) schon wieder abgeklemmt werden soll.

Auch Plastikhalme können plötzlich zu einer Saite werden, die neu aufgezogen werden muss. Das Times mager kann berichten, dass es in einem Lokal, das offenbar die Speerspitze des umweltfreundlichen Halms sein möchte, etwas in der Brause stecken hatte, das nur ganz leicht nach Pappe schmeckte. Noch lieber wäre dem Times mager freilich eine halmfreie Brause gewesen, es hat schon gelernt, aus Gläsern zu trinken.

Es versuchen auch gerade einige italienische Städte, allen voran Rom, Saiten des größeren Respekts aufzuziehen. Hauptsächlich den Touristen ohne viel Federlesens aufzuziehen, aber auch mancher Einheimische könnte betroffen sein. Erstere vor allem sind gemeint mit Regeln wie: keine Rollkoffer oder Buggies auf historischen Treppen, keine bloßen Oberkörper, kein Baden in städtischen Brunnen, kein „schlampiges“ Essen in der Öffentlichkeit (hier gibt es durchaus Interpretationsspielraum). Erstmal jeder sollte sich angesprochen fühlen von: In betrunkenem Zustand darf in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht gesungen werden. Denn das bedeutet ja: Wer nicht betrunken ist, darf singen nach Herzenslust. Sogar „O sole mio“, „We Are the Champions“ oder „Yellow Submarine“, was die Römer doch als im Grunde großherzige Menschen ausweist. Auf Capri dürfen ja nicht mal „lärmende Schuhe“ getragen werden. Und das seit 1960. (Frage: gibt es, wie für abgasungereinigte Oldtimer, eine Ausnahmegenehmigung für Schuhe, die vor 1960 geschustert wurden?).

Jedenfalls fühlte sich das Times mager angeregt, sich über ein Andere-Saiten-Aufziehen auch auf einer hier Gedanken zu machen. Und welches Ressort wäre geeigneter, als das ohnehin mit allerlei Saiten auf Du und Du stehende Feuilleton? Und gleich stellte das Times mager fest, wie fein es eigentlich raus ist, weil es die Saiten so locker, so froh regelrecht schlabbern lassen kann. Sie dürfen von uns aus gerne übers Papier drüber rollen, mit nacktem Oberkörper davor sitzen, nebendran so schlampig essen, wie sie wollen, und wir möchten Sie ausdrücklich ermutigen, mit Ihren Clogs den Takt zu schlagen, während Sie ein feines Lied singen.

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