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Käfer-Sammlung.

Times mager

Amtlich

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Die Wendung "Jetzt ist es amtlich" ist umstritten, aber doch nützlich. Noch nicht amtlich ist unterdessen, wie das Smithsonian Museum in Washington künftig mit dem Käfer-Erbe des Sammlers Carl J. Drake umgehen wird.

Mit Interesse nehmen wir Folgendes zur Kenntnis: „Jetzt ist es amtlich. Die Volksbanken in Gütersloh und Bielefeld sind mit der Eintragung ins Genossenschaftsregister am 22. Mai zur Volksbank Bielefeld–Gütersloh eG verschmolzen.“ Es ist schwer zu sagen, warum diese Mitteilung die Feuilletonredaktion der FR erst am Montag erreicht hat. Es ist noch schwerer zu sagen, weshalb sie sie überhaupt erreicht hat. Es trifft sich aber günstig.

Tatsächlich haben auch heute wieder mehrere E-Mail-Schreiber die Wendung „Jetzt ist es amtlich“ an den Anfang ihrer Nachricht gesetzt, wobei es aber dabei um kernkulturelle Belange ging. Die Beliebtheit dieser Wendung, für die Google-News am Montagvormittag 344 Treffer nannte, was zuzüglich 197 für „nun ist es amtlich“ und dann noch zuzüglich 30 für „es ist amtlich“ ein erkleckliches Gesamtergebnis bringt, dürfte sich aus zweierlei speisen. Erstens gibt es wenig Dinge, die heikler sind, als einen Text spannend zu beginnen, ihn überhaupt zu beginnen. „Jetzt ist es amtlich“ haut einen nicht vom Stuhl, aber es ist doch ein Anfang. Zweitens wurde über so viele Dinge schon einmal berichtet, dass das amtliche Endergebnis wirklich eine Steigerung darstellt. Beliebteste Alternative: „Grünes Licht für ....“. Journalisten hassen beides wie die Pest, um es sogleich wieder zu verwenden. Was soll man machen.

Anstrengender Verein, oder?

Kurios sind freilich Verwicklungen wie diese: „Jetzt ist es amtlich. Die Vereinsmitglieder des ..... e. V. entscheiden am 2. Juli darüber, wann die Kandidatenliste für den nächsten Vorsitz geschlossen wird.“ Merken Sie, wie irrsinnig kompliziert es sein muss, den .... e. V. zu führen?

Recherchen im Ausland zur Wendung „Jetzt ist es amtlich“ haben ferner zutage gebracht, dass das Smithsonian Museum in Washington zunehmend unter der Last des Käfer-Erbes von Carl J. Drake (1883-1965) ächzt. Er hat dem Haus seine Sammlung sowie einen Großteil seines Vermögens hinterlassen, unter der Maßgabe, weitere Käfer-Sammlungen anzukaufen. Das hat das Museum nach eigenem Bekunden nach Kräften getan. Aber es gebe einfach nicht genug Käfer-Sammlungen, um immer so fortzufahren. Vier Millionen Dollar stehen gegenwärtig zur Verfügung, für die das Museum Verwendung hätte. Etwa für Käfer-Forschung, denn Drake scheint rigoros auf das Sammeln fixiert gewesen zu sein. Insofern geht es nicht um Zweckentfremdung, wenn jetzt ein Gericht prüfen soll, ob Drakes Wille modifiziert werden darf.

Amtlich ist aber noch gar nichts. Wie kamen wir überhaupt darauf? Schwer zu sagen.

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