+
Heute auch ein alter weißer Mann: Buzz Aldrin, im Jahr 1969 auf dem Mond.

Times mager

Altweißmann

  • schließen

Was machten früher eigentlich die alten weißen Männer?

Während man so vor sich hinlebt, weil das Altern im Alltag ja zur Gewohnheit werden kann und es im zunehmenden Alter immer schwerer fällt, sich dagegen aufzulehnen, zumal als alter weißer Mann, möchte man dennoch unbedingt noch einmal kräftig umdisponieren, denn mit hängenden Schultern und gesenktem Kopf durch die Welt zu tapern, ist keine Freude. Sieht einfach bloß schwerfällig aus. Ey, du Opfer.

Um sich aufzubauen, sieht man einem Großereignis entgegen, dem Jahrestag der ersten bemannten Mondlandung, am 21. Juli um 3:56 Uhr MEZ ist es fünfzig Jahre her. Zwei Astronauten in weißen Weltraumanzügen, unter weißen Helmen im schiefergrauen Mondstaub. Aus der Kapsel schaute ein dritter Mann zu, auch für ihn muss es ein wenig merkwürdig ausgesehen haben, wie sich zwei weiße Männer fortbewegten, Widrigkeiten trotzend. Dabei sah es schön aus, wie sich im Visier ihres Helms der blaue Planet spiegelte. Nach 21 Stunden der Abschied vom Mond, nach weiteren Stunden im Weltall hatte die Erde die drei Menschen wieder, unvergessen. Was blieb zurück? Der Glaube aus Kindertagen, dass der Mond so ohne weiteres ein bewohnbarer Planet werden könnte, Frau Luna hin, der Mann im Mond her, er eh ein alter weißer Mann. Ein Wesen zum Aufschauen etwa?

In diesen Tagen, in denen die Rache durch das Universum tobt, jedenfalls in den deutschen Kinos („Avengers“), fällt eine dermaßen naive Welt(raum)sicht, während man sich vor der Kinoleinwand auf Augenhöhe mit Eisenmännern befindet, schwer. Dennoch möchte man sie nicht missen, eine solche Perspektive, eine umherschweifende aus der Untersicht, aus dem Blickwinkel des „Kleinen Häwelmann“. Wie auch immer man heute zu diesem Nachnamen steht, es war eine schöne Gute-Nacht-Geschichte, aus der Feder von Theodor Storm, dem Lyriker, Erzähler und Oberamtsrichter aus Husum, erdacht zweifellos von einem alten weißen Mann, zumal als Autor des „Schimmelreiter“.

Um sich an dieser Stelle nicht weiter zu verrennen, etwa durch eine Abschweifung zu „Peterchens Mondfahrt“, lenken wir den Blick auf ein weiteres Großereignis, in diesen Tagen schon, den nicht etwa 50., vielmehr 10 x 50. Geburtstag Leonardos, der aus Vinci stammte, einem Örtchen in der Toskana, und als Maler, Zeichner oder Bildhauer vielerlei hinterließ – wir denken hier zuerst an seine großen Frauenporträts, die „Mona Lisa“, die „Dame mit dem Hermelin“, die „Ginevra de’ Benci“, die „Madonna mit Nelke“. Leonardo, ein Feminist wider Willen? Der Bogen, der an dieser Stelle geschlagen (und überspannt!) wurde, wäre unvollständig ohne den Hinweis auf das Selbstbildnis des Leonardo, einen weißen alten Mann.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare