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Die Maschinenhalle in Zeche Zollern zählt zum nationalen Kulturerbe.
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Die Maschinenhalle in Zeche Zollern zählt zum nationalen Kulturerbe.

Times mager

Altes Eisen

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Als das Ruhrgebiet noch Kohlenpott war … Industriedenkmäler lassen weit in die Vergangenheit blicken.

Hier, lass uns hier aussteigen. Gelegenheit wäre schon früher gewesen, vorhin an der Ecke, war aber nicht gut, war zu unübersichtlich. Jetzt der angekündigte Parkplatz, die paar Meter mehr waren also nicht verbockt. Doch pass auf, wo du hintrittst. Muss bestimmt kein roter Teppich sein, trotzdem, müssen es so viele Pfützen sein?

Dorthin geht es zum Museum, hoffentlich durch einen Eingang ohne Drehzelle, ab XXL-Format wird’s eng. Gab es überhaupt unter Tage je einen Bergmann mit 80 Kilo plus? Sag also nichts, denn hatten es die Kumpel unter Tage irgendwo luftig? Alles drum herum, der ganze Arbeitsplatz, der Berg, war immer Druck da.

Bitterer Spruch, und Humor ist, wenn man trotzdem weitermacht. Lag an, war ambach hier, im Revier. Was in ihm unternommen wurde, zählte außerhalb nicht sonderlich viel. Eine vielverkannte Region, angefangen mit dem Dialekt. Dabei hat eine jede ihr Idiom. Da lasse man sich mal nichts vormachen. Denn wer nicht hören will, kann auch Feinheiten nicht fühlen.

Und sonst so? Sah die Republik auf das Revier, geschah es von oben herab. Sieht man sich heute um auf dem Gelände, findet man sich ein in einem Freilichtmuseum, unter einem Förderturm. Praktisch funktioniert auch er nicht mehr. Auf einem Stück Schiene eine Lore wie auf einem Abstellgleis. Die Maschinenhalle zählt zum nationalen Kulturerbe, schon wegen des Jugendstilportals. Markiert nicht nur auf mächtig, kann wirklich was.

Für diejenigen, die hier arbeiten, waren es, so erzählen es auch einige Romane, keine Herrenjahre – Romane, die heute selbst zum alten Eisen gezählt werden. Aber lass stecken, denn immerhin ein Monument die Anlage, die Lohnhalle mit Zwiebeltürmchen. Bekrönte Treppengiebel am Verwaltungsgebäude, norddeutsche Backsteingotik die Werkstätten hochgemauert.

Ganz hinten, rechter Hand, die Ammoniakfabrik, gegenüber die Lehrwerkstatt. Auf seine letzten Jahre hin wurde das Torhaus erweitert zum Gesundheitshaus mit Verbandsstube und medizinischen Bädern. Hunderte wurden hier durchgeschleust, Hunderte vorbei auch am Leichenhaus.

Jahrzehntelang galt die Anlage als „Musteranlage“. Aber das Ansehen ging dahin, das Prestige. Als „Schloss der Arbeit“ tituliert, war es 1966 nicht mehr systemrelevant, in dem Jahr als der eigene Verein den Fußball-Europapokal der Pokalsieger in die Stadt, in die Rote Erde holte. Was überlebte sich, was wurde zum Mythos?

Von der obersten Plattform des Förderturms kein Hinweis mehr auf den „Kohlenpott“ oder „Ruß-Land“. Es ließe sich viel erzählen. Aber die Generation, die das könnte, ist weitgehend weg vom Fenster.

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