Woody Harrelson und Abbie Cornish in einem Film, der die Generationen spaltet.
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Woody Harrelson und Abbie Cornish in einem Film, der die Generationen spaltet.

Times Mager

Alter

  • Judith v. Sternburg
    vonJudith v. Sternburg
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Die Diskussion über die Qualität eines Films wird zum Showdown zwischen den Generationen.

Neulich hieß es also von der mit Abstand zweitjüngsten anwesenden Person, der und der Film sei der schlechteste der Welt. Nun handelte es sich aber ausgerechnet um einen außergewöhnlich guten Film, so dass die mit Abstand drittälteste anwesende Person dieses Urteil empört zurückwies (zugleich auch schlecht über die FSK dachte, die allerdings nichts dafür kann).

Die Situation wurde gleich zu einem Showdown zwischen den Generationen, denn die Zweitjüngste vermutete nun, der in diesem Zusammenhang zitierte Filmkritiker müsse mindestens 60 sein. Das klang so, als sei 60 ungefähr 120, methusalemisch. Hingegen ist der Filmkritiker deutlich jünger als die Drittälteste, die jetzt nicht besonders geistreich erklärte, die Zweitjüngste sei einfach zu klein für einen so großen Film. Offenbar habe sie nichts verstanden. So war es gewissermaßen zwar auch, aber als Argument war der Verweis auf das Alter offensichtlich beidseitig unglücklich.

Dies ließ daran denken, wie traurig es ist, Menschen aus einer anderen Generation nicht einmal für ein Stündchen im gleichen Alter treffen und sprechen zu können. Auch ließ es daran denken, wie borniert Drittälteste sein können. Und es führte schließlich im weiteren Verlauf zu einer Gemeinsamkeit zwischen den Generationen, die in dem Satz „Ich hab’ nichts gemacht“ besteht.

Der Satz „Ich hab’ nichts gemacht“ wird einerseits von ungezogenen Kindern, andererseits von abgestürzten Computernutzern fortgeschrittenen Alters (aber sie müssen nicht 60 und nicht 120 sein) verwendet. Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass natürlich alle etwas gemacht haben. Da man schon beim Aussprechen des Satzes weiß, dass die anderen einem eh nicht glauben werden, hat die sprechende Person eine Art postdramatisches, selbstironisches Erlebnis. Hier ein Beispiel aus dem Netz (das uns Drittältesten zur Verfügung steht, auch wenn die Zweitjüngste andeutete, wir wüssten nicht, was Wlan sei), das das Generationenverbindende schön veranschaulicht.

„Heute Abend vor ein Paar Minuten ging ich wieder Mal auf legend aber dann nachdem ich so 5Min online war wurde ich für 10 Tage gebannt wieso das was habe ich den gemacht waren die 14 Tage etwa noch nicht genug? Wisst ihr das regt mich schon ziemlich auf das ich nicht mehr richtig spielen kann.“ Diese Person wiederum, die vor allem mit der Zeichensetzung extrem ökonomisch umgeht, andererseits sprachlich durchaus versiert wirkt, schätzen wir auf zwischen 8 und 88.

Und um welchen Film ging es? „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“. Hammer. Andererseits wies die Drittälteste unfairerweise nicht darauf hin, dass sie selbst in sehr jungen Jahren ein solches Erlebnis hatte mit Alain Resnais’ „Mein Onkel aus Amerika“. „Mein Onkel aus Amerika“, das klingt doch lustig. Pustekuchen.

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