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Der Checker ist großzügig, er spendiert auch dem Analog-Käse ein grünes Häkchen.

Times mager

Alles Pizza

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Dem Pizza-Checker folgt vermutlich alsbald der Zähne-geputzt-Checker, der Kontrolleur von Kaloriendichte in der Butter und Gemüseanteil im Kühlschrank und, natürlich, der Feuilleton-Glossen-Checker.

Eine Welt mit Kühlschränken, die, wenn man Pech hat, 300 Pfund Butter, 43 Packungen Rahmspinat und 75 Gläser Spreewald-Gurken eigenmächtig ordern (denn musste der Kühlschrank nicht den Eindruck gewinnen, seine, äh, Chefin, ernähre sich fast nur von diesen Dingen?), diese Welt also braucht auch den „Dom Pizza Checker“. Der stellt sich, ein echter Checker, auf der Seite der Pizza-Kette Domino’s selbst so vor: „Ich bin quasi des Pizza-Kunden bester Freund. Ich werde jede einzelne Pizza kontrollieren, um sicherzugehen, dass ich stolz gewesen wäre, sie meiner Mutter vorgesetzt zu haben (falls ich eine hätte ... schluchz).“ Arg viele Konjunktive, na ja. Der Checker jedenfalls guckt von oben wie Gott auf die fertige Pizza und beurteilt „Pizza-Typ, korrekten Belag und sogar, ob der Käse gleichmäßig verteilt ist“. Und wenn der Checker nicht zufrieden ist, erhält der Pizza-Bäcker einen Stromschlag und muss von vorne anfangen.

Okay, der Stromschlag ist erfunden, aber wahrscheinlich nicht mehr lange. Menschen, denen kürzlich eine Pizza mit Anchovis oder Analogkäse nach Hause geliefert wurde, obwohl sie weder das eine noch das anderer wollten, sollten jetzt besser nicht triumphieren: Denn erstens ist der Checker so programmiert, dass er Analogkäse voll okay findet, weil sein, äh, Boss damit Geld spart, zweitens ist die Pizza nur der Anfang.

Auf den Weg gebracht sind garantiert inzwischen: der zwecks Zahnhygiene-Überwachung fest in der Mundhöhle installierte Dental-Checker mit insistierendem Warnton, falls man ins Bett geht, ohne die Zähne geputzt zu haben; der Butterbrot-Kaloriendichtemesser; im Kühlschrank die Gemüseanteil-Kontrolle – bei mehr Fleisch als Gemüse ordert der Schrank sofort 43 Packungen Rahmspinat, 35 Kilo Brokkoli und ebenso viel Rosenkohl.

Gewiss befindet sich auch der Feuilleton-Glossen-Checker bereits im Testbetrieb. Der misst zum Beispiel die Adverbien-Dichte (Umstandswörter, das sagt doch schon alles), kontrolliert die Zahl hässlicher Konjunktive (siehe oben) und ob sie sich nicht – hätte, hätte, Fahrradkette – vermeiden ließen (indem der Pizza-Checker halt einfach eine Mutter bekommt, basta), er kontrolliert das Auftreten unelegant substantivierter („Auftreten“) und unangenehme Geschmacksnoten weckender Wörter („Analogkäse“). Man kann auch einfach „Käse“ schreiben, nicht wahr.

Der Feuilleton-Glossen-Checker wird kommen, machen wir uns nichts vor. Und er wird Heulen, Zähneklappern und übermäßigen Kaffeekonsum hervorrufen, bis sich der Hungergradmesser der Redakteurin meldet und ihr rät, eine Pizza zu bestellen.

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