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Kolumne

Alles Philosophen

  • VonChristian Schlüter
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Was gilt heute nicht alles als Philosophie... Seitdem vor vielen Jahren in einer Anzeige für ein Kraftfahrzeug von der „Philosophie des quereingebauten Frontmotors“ zu lesen war, sind alle Dämme gebrochen. Selbst ein Richard David Precht geht als Philosoph durch.

Die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur, also die Unesco, feiert heute den Welttag der Philosophie. Die ganz große Philosophen-Party, die offizielle Rede ist von „internationalen Feierlichkeiten“, findet im Pariser Hauptsitz der Unesco statt und nicht, wie ursprünglich geplant, in Teheran. Die iranische Hauptstadt bot zwar repräsentative Tagungsstätten, aber ließ sich der Weltöffentlichkeit nur schwer als ein Ort der freien Denkungsart vermitteln. Nun wird also in Paris unter dem Titel „Philosophie, kulturelle Vielfalt und Annäherung der Kulturen“ nicht etwa getrunken, sondern nachgedacht. So hart und unerbittlich feiern nur Philosophen.

Aber es kommt noch härter. Die Unesco fordert nämlich „weltweit Universitäten, Schulen, Kultureinrichtungen und Medien auf, an diesem Tag Anstrengungen zu bündeln und Veranstaltungen zu organisieren. Der Welttag soll die Bedeutung der Philosophie aufzeigen und insbesondere bei Jugendlichen Interesse für die wissenschaftliche Disziplin wecken“. Okay... Herrje, Mist, wir fühlen uns angesprochen. Nein, schlimmer, mit den „Medien“ ist in jedem Fall auch dieses kleine schmächtige Times Mager gemeint. Aber mal eben für eine wissenschaftliche Disziplin werben?

Was gilt heute nicht alles als Philosophie... Seitdem vor vielen Jahren in einer Anzeige für ein Kraftfahrzeug von der „Philosophie des quereingebauten Frontmotors“ zu lesen war, sind alle Dämme gebrochen. Selbst ein Richard David Precht, der sich auch in seinem neuesten Buch („Die Kunst, kein Egoist zu sein“) wieder in einem etliche hundert Seiten langen Leitartikel zu allgemeinen gesellschaftlichen oder so Fragen verbreitet, geht als Philosoph durch. Sogar bei Anne Will wird er, der rein gar nichts zur Philosophie beizutragen hat, als Philosoph angesprochen – und lässt es sich gefallen. Tja, dann muss er wohl einer sein.

Aber mal im Ernst: Bedeutet denn, journalistisch geschriebene Bestseller („Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“) zu veröffentlichen, dass Journalisten wirklich alles dürfen? Sollte man ihnen sogar die Philosophie überlassen? Wir sagen an dieser Stelle leitartikelscharf: nein!

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