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Times Mager

Alles Lüge

  • VonChristian Schlüter
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Opfer oder Täter? Einer der größten Musikmessen wurde für dieses Jahr abgesagt: Popkomm. Ist die Musikindustrie Leidtragender der Internetpiraterie oder hat die Branche einfach nur die technische Entwicklung digitaler Tonträger verschlafen? Von Christian Schlüter

Dieter Gorny, seines Zeichens der Gründer und Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Musikindustrie, kommt das unbestreitbare Verdienst zu, am Freitag den größten Quark verzapft zu haben - eine echte Leistung, da im Wettbewerbssegment des öffentlichen Verlautbarungswesens gerade zum Wochenende hin eine besonders starke, um jeden aufmerksamkeitsökonomischen Vorteil erbittert streitende und deshalb auch zu gewissen Dummdreistigkeiten neigende Konkurrenz herrscht.

Dieter Gorny also. Er sagte die für den September geplante Popkomm in Berlin ab, und zwar wegen zu geringer Anmeldezahlen und als Zeichen des Protests gegen Internetpiraterie. Außer der Musikmesse selbst, die als einer der wichtigsten Treffs der Branche gilt, fällt auch das Rahmenprogramm aus, immerhin ein Festival und ein Kongress. Gorny betonte, seine Absage sei vor allem als Aufforderung an die Politik zu werten, mehr gegen die Internetpiraterie zu tun.

Wir verstehen Gorny ganz richtig, genau das hier hat er gesagt: "Die digitale Krise schlägt voll auf die Musikwirtschaft durch. Viele Unternehmen können es sich wegen des Diebstahls im Internet nicht mehr leisten, an der Popkomm teilzunehmen." Mit anderen Worten, die Musikindustrie ist das Opfer fremder Mächte, also der bösen Internetpiraterie, und weil der guten Musikindustrie beim Kampf gegen das Böse kein schützender Staat zur Seite steht, wird jetzt erst einmal geschmollt. Im nächsten Jahr, so Gorny, werde es wohl wieder eine Popkomm in Berlin geben.

Wir sind geschockt. Nicht nur hat die Musikindustrie im vergangenen Jahrzehnt, was den Verkauf von Platten und CDs angeht, durch eine nicht anders als unverschämt zu nennende Preistreiberei erfolgreich ihre junge Klientel vertrieben und sich damit ihre wirtschaftlichen Grundlage genommen. Vielmehr hat die Branche auch, was die technische Entwicklung digitaler Tonträger angeht, alles verschlafen, was zu verschlafen war - von der Erweiterung der Vertriebswege bis zur Erneuerung des Urheberrechts. Die Musikindustrie ist mitnichten das unschuldige Opfer. Sie allein trägt die Schuld und hat sich als der eigentliche Feind der Musik und ihrer Hörer erwiesen.

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