Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Rinder grasen auch bei Regen auf den irischen Weiden.
+
Die Rinder grasen auch bei Regen auf den irischen Weiden.

Times mager

Alle Wetter

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
    schließen

Und alle reden nur über das Eine: Denn möchte das irische Mädchen nicht endlich baden gehn am Strand, auf den jetzt noch wispernd die Regentropfen fallen?

Die Einheimischen entschuldigen sich vielmals, Ort für Ort und Abend für Abend wieder, als könnten sie etwas für nasse Schuhe und Socken, für eine Sturmfrisur und Brillengläser, an denen die Regentropfen herabrinnen. Sie nehmen die durchweichte Kleidung entgegen und schichten sie ohne Umstände in den Trockner. Sie bringen eine Decke für die nun nackten Beine. Sie schaffen geschwind die Tageszeitung her zum Ausstopfen der Wanderstiefel. Sie schalten die Zentralheizung ein und versichern, das sei gar kein Problem. Sie feuern auch den Kamin an, mit erdig riechendem Torf. Und natürlich kochen sie einen Pott Tee.

Es ist Sommer in Irland und es gibt zwischen Ire und Ire und zwischen Ire und Touristin wenig mehr als ein Gesprächsthema: das Wetter. Nasser und vor allem kälter als seit Jahren ist es auf der Insel, die man deswegen im Sommer 2015 nicht nur grün, sondern saftig, wenn nicht übersaftig nennen muss. Die Schafe kauen trotzdem stoisch wieder – machen jedenfalls den Eindruck, stoisch wiederzukäuen. Jeder Schritt der schweren Kühe schmatzt im Schlamm. Das Getreide ist vier Wochen später dran, es ist zu kalt für die Reife. Der geschnittene Torf liegt noch aufgehäufelt auf den moorigen Hängen und sollte doch im Trockenen sein. Die Kinder toben im Haus und gehen ihren Eltern auf die Nerven.

Ja doch, das Allerletzte

Es braucht nur ein paar Sätze, um sich darüber einig zu sein, dass das diesjährige Sommerwetter das Letzte, ja, Allerletzte ist. Hier wie dort, in I. wie D. Aber dass es ja wohl spätestens übermorgen besser werden müsse. Schon allein deswegen, weil es bereits lange genug ist, wie es einfach nicht sein sollte. Hier zu nass. Dort zu trocken. Hier zu kalt. Dort zu heiß. Man wird doch wohl noch eine gewisse Fairness erwarten dürfen?

Die Teenager schmollen vor dem Fernseher, im Fauteuil vergraben, die Knie angezogen, die Arme um die Knie geschlungen, und fordern von ihrer Mutter, von den Erwachsenen ultimativ, übermorgen Sonne beizuschaffen. Denn möchte das Mädchen nicht endlich baden gehn am Strand, auf den jetzt noch wispernd die Regentropfen fallen? Und möchte ihr Bruder nicht endlich kicken auf einer Wiese, die nicht unter den Turnschuhen quietscht und spritzt?

Woanders ist auch das falsche Wetter, versichert die Touristin. Woanders ist es doch sowieso und immer besser, mault das Mädchen: Ich will in D. Urlaub machen! Und schon wieder entschuldigen sich die Eltern vielmals, während die Touristin noch überlegt, ob das nun ein Kompliment an ihr Land war oder nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare