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Ein Hamburger, hier in der Variation mit Käse, für Salvini.

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Amici

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„Alle Italiener Mafiosi? Wie traurig…“: Im deutschen Verteidigungsministerium läuten die Alarmglocken.  

In der Welt der internationalen Konflikte und der Diplomatie sind gute Nachrichten leider selten. Um so wichtiger ist es, sie an prominentester Stelle, also hier, zu verkünden. Bitte sehr: Italien wird Deutschland nicht den Krieg erklären, und auch ein Angriff auf Österreich ist relativ unwahrscheinlich geworden.

Das sah in dieser Woche, von der Weltöffentlichkeit viel zu wenig beachtet, schon mal ganz anders aus: Ein bekanntes US-amerikanisches Hamburger-Unternehmen warb für seinen „Italian Summer“ in Österreich mit dem Slogan „Für alle Mampfiosi“, und es liegt auf der Hand, dass es sich hier um eine schwere Diffamierung handelt: Seit wann muss einen Mafia-Ausweis vorzeigen, wer in den Alpen „italienische“ Fleischbrötchen essen will?

Ob das für Matteo Salvini ein Problem gewesen wäre, hätte er in Österreich einmal Hunger verspürt, ist schwer zu sagen. Jedenfalls eröffnete Italiens Innenminister die Kriegsvorbereitungen auf Twitter, indem er schrieb: „Alle Italiener Mafiosi? Wie traurig…“. Es folgte, der Schwere der Verfehlung angemessen, die Entschlossenheit zur Vaterlandsverteidigung: „Wir haben Stolz und Würde wiedergefunden, es gibt kein Zurück!“

Es muss ergänzt werden, dass daraufhin zunächst bei der deutschen Verteidigungsministerin die Alarmglocken schrillten. Erste Überlegungen, den knallrechten Salvini zu einem öffentlichen Gelöbnis mit Entschuldigung an die Saarschleife zu bitten, scheiterten am Koalitionspartner. Aber dann war die Aufregung schon vorbei.

Salvini hatte den österreichischen italienischen Sommer in seinem Tweet nur versehentlich nach Deutschland verlegt. Offensichtlich konnte er sich trotz gewisser Perioden der Freundschaft zwischen Deutschland und Italien (Mussolini!) unser Heimatland (Merkel!) besser als Feind vorstellen als die guten alten Habsburger (nein, das ist kein Name für Fleischbrötchen!). Aber klar, Vergeltung wäre notwendig gewesen, hätte die Sache nicht einen erfreulichen Ausgang genommen.

Ob nun unter Vermittlung von Donald Trump oder nicht, es kam zu einer Entschuldigung der amerikanischen Fressketten-Leute: „Natürlich war es nicht unsere Absicht, Italienerinnen oder Italiener in irgendeiner Weise zu beleidigen, und wir entschuldigen uns bei allen, die sich beleidigt fühlen.“ Mit einem Mal kehrte Frieden ein, von Matteo Salvini ward nichts mehr gehört, und auf den Plakaten in Österreich steht nun „Für alle Amici“.

Ein interessanter Slogan. Offen bleibt, ob Salvini jetzt leichter an seinen Hamburger käme.

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