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Judith von Sternburg ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.
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Judith von Sternburg ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.

Times Mager

Alle kompetent

Ja, ist das Weltall eine Schießbude, ein Philatelistengag, eine Freizeitgaudi für gelangweilte Singles? Von Judith von Sternburg

Fassaden aufrechtzuerhalten ist eine der Spezialitäten des Menschen, die er sich zugleich ständig zum Vorwurf macht. In unserer heutigen Times-Mager-Folge geht es um die Fassade: Der Mensch als Lebewesen, das ernst zu nehmen ist.

Denn es fliegt in den Weltraum, um wissenschaftliche Kenntnisse zu gewinnen, Beethovens Neunte zu verbreiten und zwingend notwendige Beobachtungen durchzuführen (nicht zu verwechseln mit verabscheuungswürdiger Spionage).

Dazwischen aber drängen sich nun vermischte Nachrichten. Der japanische Astronaut Koichi Wakata hat für seinen Aufenthalt auf der ISS bereits lustige Experimente geplant, die auf Leservorschläge zurückgehen. Zum Beispiel: Durch einen Strohhalm Flüssigkeiten aus einem Trinkpäckchen herausdrücken, "um zu sehen, was dabei passiert".

Briefmarkenfreunde aus Bremen haben 550 Postkarten und 1200 Briefe mit Raumschiffen auf eine 177 Millionen Kilometer lange Reise durchs All geschickt. Fanden sie halt klasse. Der Weltraumtourist Charles Simonyi ist gerne bereit, zehn Millionen Dollar mehr (mehr!) für seine nächste Tour ins All zu zahlen. Er darf anschließend ohnehin nicht mehr so weit weg, wie seine neue Frau bereits klarstellte. Ja, ist das Weltall eine Schießbude, ein Philatelistengag, eine Freizeitgaudi für gelangweilte Singles?

Solche Leute sind also daran schuld, dass es mit dem Image der Fassade allen Bemühungen zum Trotz nicht gut bestellt ist. Aber wie gemein und wie ungerecht ist das. Schließlich gibt es Fassaden-Firmen. Eine solche ist just gegenüber an der Arbeit. Noch sieht die Fassade übel aus, so schmuddelig und halbgar.

Aber aus dem Schild der Firma geht eindeutig hervor, dass sie das in Ordnung bringen wird: Die Firma hat "Fassadenkompetenz", und sie ist stolz darauf. Darum möchten wir sie ausdrücklich von der Kritik ausnehmen und den Mitarbeitern zurufen: Weiter so, Leute.

Denn wir begreifen: Die Astronauten, die um 21 Uhr MEZ unter der Thermodecke in der neuen "Sterne und Weltraum" blättern und danach von nützlichen Molekularverbindungen träumen, können doch nichts dafür, wenn ihre Kumpel Unfug treiben. Und die Fassade kann doch nichts dafür, wenn nichts dahinter ist.

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