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Times Mager

Allahs Töchter

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Der türkische Schriftsteller Nedim Gürsel lebt in Paris und ist ein freier Mann. Aber in seiner Heimat wird ihm der Prozess gemacht, wegen Blasphemie - ein Unding im laizistischen Staat Türkei. Von Harry Nutt

Mit einem Feuerwerk über dem Goldenen Horn wird in Istanbul das dortige Kulturhauptstadtjahr eröffnet. Aus diesem Anlass war der in Paris lebende türkische Schriftsteller Nedim Gürsel in Berlin. Den Feierlichkeiten in seiner Heimatstadt Istanbul dürfte er jedoch mit gemischten Gefühlen entgegensehen. Im Verlauf des Jahres könnte das oberste türkische Revisionsgericht über seine schriftstellerische Zukunft entscheiden.

Nedim Gürsel, dessen erster Roman "Der Eroberer" (auf Deutsch im Ammann Verlag) bereits 1975 erschien, stand in der Türkei wegen seiner Bücher schon mehrfach vor Gericht. Jedesmal wurde er jedoch nach langwierigen Prozessen freigesprochen. Diesmal ist der Fall jedoch komplizierter. Nedim Gürsel ist angeklagt, religiöse Werte beleidigt zu haben. In seinem jüngsten Roman "Allahs Töchter" rekonstruiert Gürsel eine alternative Entstehungsgeschichte des Koran, in deren Mittelpunkt drei weibliche Gottheiten der islamischen Geschichte stehen.

Auch in diesem Fall wurde Nedim Gürsel zunächst von türkischen Gerichten freigesprochen. Die Freisprüche aber wurden in Berufungsverhandlungen wieder aufgehoben und liegen nun zur Prüfung beim nationalen Revisionsgericht. Nedim Gürsel ist über die Situation nicht zuletzt deshalb besorgt, weil eine staatliche Behörde, die "Leitung für religiöse Angelegenheiten", die Premierminister Erdogan direkt zuarbeitet, sich des Falls angenommen hat. Es deutet einiges darauf hin, dass eine Aufhebung der Freisprüche politisch gewollt ist.

Der Fall Nedim Gürsels spielt sich einmal mehr in dem Spannungsfeld ab, in dem sich die türkische Gesellschaft zwischen einer Annäherung an die EU und einer radikalisierten Reislamisierung bewegt. Den Vorwurf der Blasphemie, der gegen Gürsels Roman erhoben wird - völlig zu Unrecht, wie der Autor meint -, dürfte es in der laizistisch verfassten Türkei eigentlich gar nicht geben.

Nüchtern und sachlich referiert Nedim Gürsel die juristische Lesart seines Romans. Beunruhigt ist er, ängstlich nicht. Wenn am Goldenen Horn ein Feuerwerk abgeschossen wird, sollte sein Fall nicht unerwähnt bleiben.

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