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Aert Schouman: Komet über Amsterdam, 1769.

Times mager

Alexander von Humboldt und der Komet

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Unter dem Kometen Messier geboren wurde Alexander von Humboldt - und ließ folglich einfach nicht locker. Die Feuilleton-Kolumne zum Humboldt-Jahr.

Einmal am Himmel ausgemacht, bekam der Komet auch einen Namen, Messier. Denn der Franzose sah ihn zuerst, den nach ihm, Charles Messier, benannten Himmelskörper, den der Astronom am späten Abend des 8. August 1769 knapp über dem Horizont entdeckte, vom Pariser Marineobservatorium aus in einem Teleskop. Ja, unübersehbar im Sternbild Widder zeigte sich ein kleiner Nebelflecken am Abendhimmel, tags darauf bereits war er mit dem bloßen Auge zu erkennen. Wegen seiner ungeheuren Helligkeit fiel er in den nächsten Monaten von Paris bis Peking auf, also auch in Berlin. Als „armdick“ ist der Auftritt des Messier, des C/1769 P1, geschildert worden. Mit einem enormen Schweif wurde er auch auf den Stichen seiner Zeit festgehalten.

Einmal im Umlauf, hat er viele Menschen nicht nur erstaunt oder erfreut, denn Kometen haben in Unruhe versetzt, ob nun wissenschaftlich oder abergläubisch. Was also hat es zu bedeuten, dass am 14. September 1769, während der Komet am Nachthimmel über Berlin stand, den von Humboldts ein Junge geboren wurde?

Auch wenn die Frage in zahlreichen Biografien keinerlei Rolle spielt, so hat den Porträtierten das Problem nicht kalt gelassen. Erst einmal älter geworden, ging ihm nicht nur auf, dass er Alexander genannt worden war, nach dem Vorbild des Welteroberers. Zeitlebens sah er in dem Kometen so etwas wie ein gutes Omen. Schon das Kind, das besorgniserregend kränkelte und schwächelte, zeigte eine Sehnsucht nach der Ferne.

Alexander von Humboldt wurde ein hell leuchtender Freigeist 

Ein Unruhegeist in Gedanken. Gemeinsam mit dem Bruder schlug er die Atlanten auf. Paris und Sankt Petersburg, Rom, die Berge Europas, nicht nur Europas, Inseln im Meer. Die Erwartungen an die Berge waren besonders groß, ebenso wie an das Meer, denn Berlin lag nicht am Meer und hatte nicht einmal Berge. Der Sand am Strand ferner Inseln aber, der war, wie sich eines Tages herausstellen sollte, anders als der in der Brandenburger Sandbüchse.

Dass Sand nicht Sand ist und darin wohl dem Sternenhimmel nicht ganz unähnlich ist, hat den Naturforscher Alexander von Humboldt auf seine, ganz eigenwillige Weise beschäftigt. Seit Humboldts Zeiten hat sich einiges verändert, denn heute lässt sich nachweisen, dass keine Schneeflocke der anderen gleicht, auch wenn das nicht mit bloßem Auge zu erkennen ist. Allerdings die Sterne einmal genauer unter die Lupe genommen, stellte sich ein jeder bereits als Einzelfall dar.

Unter dem Messier geboren, ließ Alexander von Humboldt einfach nicht locker. Er wurde ein hell leuchtender Freigeist, einer, der sich freiwillig zu einem Untertanen unbegrenzter Neugierde und unendlicher Unruhe machte.

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