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Meim Nageltrend geht es nicht unbedingt um Wandbefestigungen.

Times mager

Alexa

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Was ist eigentlich das erste Wort, das das Kind von heute lernt?

Man (!) sollte öfter mal auf „Wunderweib.de“ nachschauen. Es gibt dort viele Themen von unbestreitbarer Relevanz, wie zum Beispiel „Avocado ziehen – so klappt es“ oder „Nageltrend 2019“, und Sie können sicher sein, dass es dabei nicht um Wandbefestigungen geht.

Besonders lehrreich allerdings der Text „Eltern sind geschockt: Babys erstes Wort ist ,Alexa‘“. Jetzt fragen Sie: Was ist daran schlimm? Antwort: Nichts, außer dass die Mutter des elf Monate alten Mädchens mit Vornamen Catherine heißt. Ein Video zeigt, wie Annabelle, die süße Kleine, auf diesem runden Gerät herumklopft, mit dem Erwachsene heutzutage zu sprechen pflegen, und etwas brabbelt, das Mama Catherine als „Alexa“ interpretiert.

Nun ja, so heißt das Gerät halt, da muss sich Papa Liam nicht so aufregen, was er aber tut, denn er sagt: „Wir haben darum gekämpft, dass sie ,Mama‘ oder ,Papa‘ sagt. Aber sie schlug eine völlig andere Richtung ein.“ Ja, das kommt bei Kindern vor, und wahrscheinlich hat Papa Liams Kampf darin bestanden, dass er zu dem runden Ding gesagt hat „Alexa, sag Annabelle, sie soll Papa sagen“ oder so, und das war dann ein Fehler.

Nun ist Annabelle ein Mädchen, immerhin, und deshalb ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie in absehbarer Zeit zu dem runden Ding „Alexa, du Schlampe“ sagt, statistisch eher gering. Andererseits wäre es auch nicht ganz so schlimm, denn Alexa hat inzwischen bestimmt gelernt, was das andere Ding, mit dem die Erwachsenen sprechen, Siri, auch gelernt hat: Auf sexualisierte Beleidigungen antwortet sie jetzt nicht mehr „Ich würde erröten, wenn ich könnte“, sondern „Ich weiß nicht, was ich darauf sagen soll.“

Man sieht, der Fortschritt ist eine Schnecke, auch im Geschlechterkampf, wobei erschwerend hinzukommt, dass Schnecken Zwitter sind. Sehr offensiv wirkt jedenfalls auch die neue Antwort von Siri nicht, und ganz leise meldet sich die Frage, ob man nicht mal wieder mit einer echten Frau reden sollte. Zum Beispiel mit Restaurant-Fachkraft B.

Die berichtete jüngst von einem Gast, der nach jedem Besuch genau abgezählt zahlt, verbunden mit der Bemerkung „Beim nächsten Mal gibt’s Trinkgeld“. Fachkraft B. verband ihre Erzählung mit einigen Wertungen, die hier nicht wiedergegeben werden können. Allerdings fügte sie hinzu, wie sie sich den Gesprächsverlauf bei der nächsten Gelegenheit vorstellt, nämlich so: „Näää näää näää“ – „Wsch wsch“, wobei die erste Bemerkung offensichtlich die Äußerung des Gastes wiedergab und die zweite mit Handbewegungen verbunden war, die verdächtig nach Ohrfeige aussahen.

Und jetzt versuchen Sie mal, ein rundes Ding auf so etwas zu programmieren.

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