Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Times Mager

Akzeptiert

Nicht nur die Jelinek, auch Herta Müller ist körperlich zart, sehr zart sogar. Kein Wunder also, dass man sie dem Besucheransturm im Frankfurter Literaturhaus momentan nicht für gewachsen hält. Von Ina Hartwig

Viele Jahre ist es her, dass Elfriede Jelinek, die Zarte, die Scheue, im Frankfurter Literaturhaus auftrat. Ihr Roman "Gier" war gerade erschienen, und sie wollte in der Bockenheimer Landstraße, wo das Haus damals ansässig war, bloß ein paar Fragen beantworten. Sie hasst es bis heute, aus ihren Büchern vor Publikum zu lesen. Seitdem Elfriede Jelinek im Jahr 2004 den Literaturnobelpreis bekommen hat, publiziert sie ihre Texte fast nur noch auf ihrer Homepage, wo die Autorin ein virtuelles, der Öffentlichkeit, vor allem der Kritikermeute entrücktes, ihr gemäßes Dasein führt. Kreativ, produktiv, unkörperlich.

Als Jelinek in Frankfurt auftrat, schmückte zwar noch kein Nobel-Lorbeerkranz ihr schönes Haupt, doch ein Superstar war sie längst. Entsprechend der Ansturm auf das - verglichen mit dem neuen - bescheiden dimensionierte Literaturhaus. Auch am Donnerstagabend erwartete man im Frankfurter Literaturhaus einen Besucheransturm. Denn Herta Müller, die Literaturnobelpreisträgerin des Jahres 2009, sollte aus ihrem Roman "Atemschaukel" lesen. Auch diese Autorin ist körperlich zart, sehr zart sogar. Als publikumsscheu ist sie bisher aber nicht aufgefallen. Mit großem persönlichen Einsatz liest sie aus ihren Büchern, erzählt ihre Geschichte. Herta Müller ist keine, die mit Kräften geizt: Sie gibt viel von sich, in jeder Hinsicht.

Jetzt ist ihr offenbar die Kraft ausgegangen. Kurzfristig wurde die Lesung in Frankfurt abgesagt. Eine Enttäuschung auch für die Gastgeberin Maria Gazzetti, die Herta Müller seit vielen Jahren die Treue hält und diese Lesung lange vor Verkündung des Nobelpreises gebucht hatte. Sich Herta Müllers Erschöpfung vorzustellen, fällt nicht schwer. Sie zu akzeptieren, ist etwas anderes. Gazzetti und der Hanser Verlag akzeptieren die Erschöpfung. Seit Wochen steht die Autorin im Lichte der Aufmerksamkeit. Da die zarte Herta Müller aber wohl nicht vorhat, dem Beispiel der zarten Elfriede Jelinek zu folgen (die der Nobelpreisverleihung fernblieb), muss sie auf sich aufpassen. Schließlich wollen wir alle sehen, wie sie am 10. Dezember in Stockholm aus der Hand des schwedischen Königs die Nobel-Urkunde entgegennimmt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare