Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ein Migräne-Anfall und seine Folgen (Symbolfoto).
+
Ein Migräne-Anfall und seine Folgen (Symbolfoto).

Times mager

Akzente

  • Sandra Danicke
    VonSandra Danicke
    schließen

Plötzlich sprachen sie mit Akzent. Wie ein Migräne-Anfall die eigene Identität verändern kann.

In Australien ist Folgendes passiert: Nachdem eine Frau sich operativ die Mandeln hatte entfernen lassen, sprach sie plötzlich mit einem starken irischen Akzent. Ihr „How are you?“ („Wie geht es dir?“) hörte sich nun nach „Ha-war-ya?“ an, „night“ („Nacht“) wurde zur „noight“. Außerdem verschluckte sie den Buchstaben G. Klingt ausgedacht, aber für das, was da passiert ist, gibt es sogar einen medizinischen Fachbegriff: Fremdsprachen-Akzent-Syndrom.

Vor Jahren schon passierte es einer Engländerin, die nach einer überstandenen Migräneattacke plötzlich mit französischem Akzent sprach. Der Akzent sei für sie wie eine Behinderung, sie versuche ihn beim Reden zu unterdrücken, berichtete die Betroffene einer Lokalzeitung. Hätte sie gewusst, was kurz zuvor einer anderen Britin passiert war, hätte sie über ihr Sprachproblem vielleicht gelacht. Diese klang nach einem Migräneanfall wie eine Chinesin. Dabei beteuerte sie, niemals zuvor in China gewesen zu sein.

Bei beiden Fällen handelt es sich um eine sehr seltene Sprachstörung, die nach einem Schlaganfall oder einem Schädel-Hirn-Trauma auftreten kann. Oder eben durch eine Migräne, die so stark ist, dass erweiterte Blutgefäße im Gehirn zu schlaganfallähnlichen Lähmungen führen. Manche Betroffene haben Glück, und die Störungen verschwinden nach einer Weile wieder, andere müssen sich dauerhaft mit der neuen Aussprache arrangieren. Wobei bestimmte Akzente ja immerhin charmant klingen.

Erstmals wurde das Krankheitsbild 1941 dokumentiert. Eine Norwegerin hatte während des Krieges bei einem deutschen Bombenangriff einen Granatsplitter in den Kopf bekommen und sprach seither mit deutschem Akzent. Man kann sich kaum vorstellen, was das für die Frau bedeutet haben muss. Es heißt, die Bewohner ihrer Gemeinde hätten sie der Spionage verdächtigt und gemieden.

Auch heute kann ein falscher Akzent fatal sein, zum Beispiel auf dem Fußballplatz, wenn man vermeintlich im falschen Block steht. Vor einigen Jahren hat ihr sächsischer Dialekt eine Frau sogar vor Gericht gebracht. Sie hatte in Stuttgart einen Flug nach Porto buchen wollen und stattdessen ein Ticket ins französische Bordeaux bekommen.

Nachdem die Frau Widerspruch gegen die Lastschrift eingelegt hatte, zog der Reiseverantalter vors Amtsgericht, das darufhin folgendes Urteil sprach: „Versteht der Empfänger eine undeutlich gesprochene Erklärung falsch, so geht dies grundsätzlich zulasten des Erklärenden.“

Man sollte also nach heftigen Kopfschmerzen sicherheitshalber keine Reise buchen. Jedenfalls nicht mündlich.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare