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Die kriechenden Tierchen mögen feuchte Böden – Trockenheit macht ihnen zu schaffen.
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Die kriechenden Tierchen mögen feuchte Böden – Trockenheit macht ihnen zu schaffen.

Times mager

Aktion

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Keine Kreatur ist so gering, dass sie vernachlässigt werden dürfte.

Wir waren jung und brauchten die Welt. Das wäre eine schöne Rechtfertigung für das, was vor Urzeiten geschah.

Fest steht: Es war im Juni, es ging stark auf die Sommerferien zu, und es hatte vor allem geregnet. Ergiebig. So ergiebig, dass sich gewisse Mitbürgerinnen und Mitbürger ermutigt sahen, einen Ausflug zu unternehmen – auf gefährliches Terrain.

Die große Pause war fast zu Ende, als wir des sich anbahnenden Dramas gewahr wurden. Den Schulhof trennte ein Zaun von der angrenzenden Stadtnatur. Dass dort Tiere lebten, hatte sich unserer Kenntnis nicht entzogen. Bisher galt aber die strikte Regelung: Wir bleiben auf unserer Seite des Zauns, und die verweilen auf ihrer. Uns jedenfalls hatte die gestrenge Klassenlehrerin dieses Gesetz vermittelt, unmissverständlich. Wir waren bis zu jenem Tag davon ausgegangen, dass die Lehrerin der Tiere ebenso deutlich gegenüber ihren Schützlingen geworden sei.

Davon konnte offenbar keine Rede sein. Durch den Zaun bewegte sich eine immense Zahl von Regenwürmern – es mögen sieben oder sogar neun gewesen sein – aufs Schulgelände. Wer es nicht gewohnt war, auf Regenwürmer zu achten und zugleich auf seine Füße (unfallfreies Gehen war noch nicht sehr weit verbreitet), der konnte schnell in einen Konflikt geraten, der zu Ungunsten der Würmer zu enden drohte.

Jemand musste etwas tun. Mitschüler R. war derselben Auffassung. Und so gründeten wir noch in jener Minute die „Aktion Rettet den Regenwurm“, aktive Mitglieder: zwei, und schritten sofort zur Tat. Anfangs noch mithilfe von Stöckchen, bald mit bloßen Fingern aufgrund besserer Praktikabilität, bugsierte die Initiative Wurm für Wurm zurück auf sein angestammtes Gelände.

Vielleicht ist es hilfreich zu erwähnen, dass es in der H.-S.-Grundschule nicht klingelte, wenn die Pause vorbei war, sondern blinkte. Es galt, die Lage aktiv im Blick zu behalten. Wer jedoch gerade die Welt rettete, und sind nicht die Kleinsten ebenso die Welt wie die Großen, auch wenn sie nicht an die süßen Früchte heranreichen?, wer also gerade dem Umweltschutz verpflichtet war, der hatte jetzt kein Auge für profane Blinksignale.

Erst als sich alle Würmer in Sicherheit befanden, wurde den Schülern wieder bewusst, was Schüler auf keinen Fall dürfen: zu spät in den Unterricht kommen. Die Lehrerin war entsprechend erbost, aber erstaunlicherweise auch schnell wieder milde, als sie den Grund unserer Verspätung, „die Aktion“, erfuhr. Und seien wir ehrlich: Wären schon immer alle Leute so beherzt für die bedrohte Tierwelt eingeschritten, gäbe es heute noch Dinosaurier.

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