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Man kann nur ahnen, was Ex-Parteichef Gauland meinte, wenn er von einem „gärigen Haufen“ sprach.

AfD-Parteitag

AfD-Offensive: Auf die Stunde der Machtübernahme soll die Abrechnung folgen

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Zum Politik-Kern der AfD gehört, dass sie mit gespaltener Zunge redet. Die Kolumne zum AfD-Parteitag.

Der Parteitag, den die AfD am Wochenende veranstaltet hat, lässt die Partei von weit mehr als nur einer Winteroffensive träumen. Schon die Gauland-AfD wollte erklärtermaßen die von ihr abgekanzelten demokratischen Parteien nicht nur vor sich hertreiben, sie arbeitet auf die Abschaffung der Demokratie hin. 

Sie hat für dieses Ziel in den letzten Jahren immer mehr Wähler mobilisieren können, die davon überzeugt sind, dass die Demokratie es nicht wert ist, wertgeschätzt zu werden. Die AfD hat Erfolg gehabt, weil sie eine „Erregungspartei“ ist, nach außen wie nach innen. Als Außenstehender kann man nur ahnen, was Ex-Parteichef Gauland meinte, wenn er von einem „gärigen Haufen“ sprach.

Die AfD wird auf ihre typisch rechtsextremen Rituale zurückkommen

Rechtsextreme Parteien können ohne Erregung nicht existieren, und sie müssen dieser Dauererregung immer wieder neue Gärstoffe zuführen. Zudem brauchen sie Rituale. Die ausfälligen Attacken auf diese (Bundes-)Republik mögen in Braunschweig ausgeblieben sein. Doch die AfD wird auf ihre typisch rechtsextremen Rituale zurückkommen, die besagen, dass da etwas getötet werden muss, jedenfalls symbolisch getötet werden muss. 

Die Rhetorik der AfD, ihre Ausfälle gegen die Demokratie, die Menschenrechte, diesen Staat, diese Gesellschaft, vergewissert sich durch Negation, durch Rituale der vermeintlichen Entlarvung ebenso wie der tatsächlichen Erniedrigung und Beleidigung. Wer so, wie die AfD, die Vernichtung herbeisehnt, indem er den symbolischen Tod beschwört, möchte unbedingt beim Wort genommen werden. Die AfD meint es ernst, sie repräsentiert den Ausnahmezustand für Deutschland. Das ist keine Unterstellung, das entspricht der inneren Logik einer Erregungs- und Bewegungspartei.

Zur AfD gehören Verhöhnung und Verächtlichmachung

Zur AfD-Politik gehören Vorgehensweisen wie Verhöhnung und Verächtlichmachung. Das parteigemachte Dilemma der AfD wird darin bestehen, dass sie für ihren Erfolg mit gespaltener Zunge sprechen muss, mal offen verächtlich über Demokratie, Staat und Gesellschaft, mal verschleiert, weil sie auf Regierungsbeteiligung spekuliert. Sobald Koalitionen aussichtslos sind, wird die rechtsextreme Partei erneut ihre Unvereinbarkeit mit Werten dieses Staatswesens dröhnend betonen.

Das Sprechen mit gespaltener Zunge gehört zum Politik-Kern der AfD. Sie ernst zu nehmen, heißt, ihr Selbstverständnis nicht zu ignorieren, die Radikalität, die sie sich selbst zuschreibt. Man dämonisiert die AfD nicht, wenn man wahrnimmt, dass AfD-Mitglieder (und Wähler!) auf den Tag X warten, und der Stunde der Machtübernahme sollen dann die Wochen und Monate der Abrechnung folgen. Alles andere wäre für eine Partei, die die Konsequenz beschwört, inkonsequent.

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