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Das Mundwerk ist hinter der Maskerade verborgen (und das Ohrwerk verbogen, aber das tut nichts zur Sache).
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Das Mundwerk ist hinter der Maskerade verborgen (und das Ohrwerk verbogen, aber das tut nichts zur Sache).

Times mager

Abstand

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Kreide? Präsenzunterricht? Das muss eine Geschichte aus einer anderen Zeit sein.

In Zeiten der Pandemie sind gute Augen und Ohren bekanntlich das A und O. Und während wir uns gemeinsam ein paar Zeilen lang darüber freuen, wie perfekt das buchstäblich passt, folgt hier die Erklärung, wieso, weshalb, warum: weil das Mundwerk hinter der Maskerade verborgen ist (und das Ohrwerk verbogen, aber das tut nichts zur Sache).

Doch. Es tut doch etwas zur Sache. Allerdings. Es ist demütigend. Besonders wenn man in solch ohrenverbogenen Maskensituationen gefilmt und der breiten Öffentlichkeit zum Auslachen vorgeworfen wird. Davon abgesehen: Man versteht einander nicht.

Im systemrelevanten Einzelhandel führt die Vermummung, gepaart mit Plexiglastrennscheiben, zu bizarren Missverständnissen. Sie gipfeln darin, zwei große Wasserweck bestellt zu haben und zwölf in der Tüte wiederzufinden, obwohl die Bäckereifachkraft viermal nachgefragt hat, und zwar gleichbleibend freundlich.

Im schulischen Präsenzunterricht soll es vorgekommen sein, dass ein Sextaner schüchtern bei der Parallelklasse anklopfte und ein Stückchen Kreide erbat, worauf ihn die diensthabende Pädagogin hinauswarf und empört wiederholte: „Ein Stück Schokolade! Frechheit!“

Offen gestanden ereignete sich das Schokoladenmissverständnis gar nicht während eines pandemischen Maskenzustands, sondern vor rund 40 Jahren in Virusfriedenszeiten. Die Begriffe Kreide und Präsenzunterricht dürften bereits Verdacht erregt haben. So etwas gibt es ja heute in Schulen gar nicht mehr. Von Parallelklassen ganz zu schweigen.

Aber da sieht man, wie leicht man sich sogar ohne Mund-Nase-Schutz schon missverstehen konnte. Umso schwieriger heute: Zur maskierten Sprachausgabe gesellen sich kabellose Ohrstöpsel, ohne die kein Mensch mehr das Haus verlässt. Sobald er auf dem Smartphone unter 1000 möglichen Bluetooth-Geräten das richtige Paar Ohrhörer an- und unter 10 000 möglichen Podcasts den richtigen ausgewählt hat, verabschiedet sich der Mensch sinnesorganisch aus der Öffentlichkeit (falls die Stöpsel noch in die verbogenen Ohren passen). Kabellose Ohrhörer erfreuen die Benutzerin und den Benutzer alsbald mit der Nachricht, der Akku sei fast leer – in brüllender Lautstärke, alle zehn Sekunden, eine halbe Stunde lang.

Man fragt sich, warum die vermaledeiten Stöpsel nicht einfach kurz und sachte warnen. Aber da tritt schon der Nachbar mit der Maske aus der Hofeinfahrt. „Hallo, wer ist eigentlich diese Woche mit Schneeschippen dran?“ – „Ja, das wünsche ich Ihnen auch.“

Unter der Mütze verborgene Ohrstöpsel, auch so ein schwieriges Detail, kommunikationstechnisch betrachtet. Wenigstens stehen die Ohren damit nicht ab.

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