Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Times Mager

3D

Nicht jeder legt Wert darauf, mit einem Auto zu fahren, das sich mit den Fischlein im Meer tummelt. Nicht jeder will Haare haben, die an ihm herunterglipschen. Nicht jeder träumt davon, als Schokoladenmann über die Straßen zu gehen und von gierigen Passantinnen einen Arm abgerissen zu bekommen. Einen Teil des Lebens verbringt man damit, solche Vorschläge intensiv zu ignorieren.

Nicht jeder legt Wert darauf, mit einem Auto zu fahren, das sich mit den Fischlein im Meer tummelt. Nicht jeder will Haare haben, die an ihm herunterglipschen. Nicht jeder träumt davon, als Schokoladenmann über die Straßen zu gehen und von gierigen Passantinnen einen Arm abgerissen zu bekommen. Einen Teil des Lebens verbringt man damit, solche Vorschläge intensiv zu ignorieren.

Jetzt aber haben sie eine neue Dimension erreicht. „Wir sehen alles in 3D“, stand vorgestern Abend auf der Plakatwand, gegen die die völlig erschöpfte Arbeitnehmerin sich lehnte, als sie auf die U4 wartete. Sogleich bemerkte sie, weil sie dank ihrer vorzüglichen Brille nämlich sehr gut sehen kann, unseren österreichischen Oscarpreisträger und wollte nun wissen, für was er diesmal sein subversives Lächeln hergab. „Wir sehen alles in 3D.“ Dafür also. Das ist stark, und wer bitte ist wir, wenn man zum Beispiel selbst keineswegs alles in 3D sieht. Viele Menschen können das nicht. Ein kleiner Augendefekt reicht aus. Es ist nicht schlimm. Man blamiert sich bloß beim Federball und fällt zuweilen eine Treppe herunter. Der größte Mist ist, dass man den neuen, offenbar fabelhaften Pina-Bausch-Film nicht ansehen kann.

Wer allerdings zur Bestätigung, wie harmlos dieser Nachteil ist, im Internet nachschaut, stößt auf folgenden Expertenhinweis: Ja, ein Drama sei das nicht. Man werde besser nicht Fahrer im ÖPNV und arbeite besser nicht mit zu gefährlichen Maschinen. „Es bleiben trotzdem sehr viele Tätigkeiten und Berufe übrig, die problemlos ausgeübt werden können. Man sollte aber sicherlich bereits beim Beginn der Überlegungen zur Berufswahl daran denken.“ Nun ja, in der Tat gibt es bei der Berufswahl allerlei zu bedenken. Hätte es bei der Berufswahl allerlei zu bedenken gegeben.

Und doch wird die Frage erlaubt sein, was der Menschheit ihr enorm dreidimensionaler Blick gebracht hat. Weniger Kriege? Mehr Glück? Niveauvollere Gesprächsthemen? I wo. Auch dieses Times Mager wäre viel schneller fertig gewesen, wenn der erfolgreich ausgeführte Kuss des Jahrhunderts nach einem ereignisreichen Vormittag nicht erneuten intensiven Trubel auf allen Gängen hervorgerufen hätte.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare