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„Papierkratzer“ und „Idiotenreptil“: Johann Wolfgang von Goethe.

Times mager

Zum 270. Geburtstag: „Abgott aller Dilettanten“ - Leserbriefe gegen Goethe

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Mit wenigen Sachen geben sich Leute so viel Mühe, wie mit wirklich beleidigenden Leserbriefen. Das bekam auch Goethe zu spüren, der am Mittwoch Geburtstag hat.

Die Frage „Wie hieß Johann Wolfgang von Goethe mit Nachnamen?“, anempfohlen von Google, ist auch ganz gut. Anlässlich dieses festlichen Tages, am 28. August zum 270. Mal begangen, wollen wir dennoch lieber einmal fragen, was seine Gegner eigentlich an ihm zu meckern fanden.

Ob das nicht eine etwas sonderbare Frage sei, könnte man nun fragen. Aber nicht sonderbarer als „Wie hieß Johann Wolfgang von Goethe mit Nachnamen?“, oder? Hinzu kommt, dass das Gemecker von Goethes Gegnern – perfekt zusammengefasst in Torsten Ungers Buch „Fürstenknecht und Idiotenreptil. Goethes Kritiker“ (Suton Verlag 2012) – so liebevoll gestaltet ist, dass es Goethe schon wieder ehrt, wie viel Mühe sich seine Gegner gaben. Es erinnert auch an heute. Mit wenigen Sachen geben sich die Leute so viel Mühe, wie mit den wirklich beleidigenden Leserbriefen. Da soll alles wie locker hingeworfen aussehen, aber jedes Wort treffen.

Beschimpfungen aus der dritten Reihe

Wie immer wollen wir mal reinhören. „Abgott aller Dilettanten“, „Amateur“, „Dichter, ganz praktischer“, „Dichter ohne Belang“, „Gelegenheitsdichter“, „Gelegenheitsdenker“, „Gelegenheitsforscher“, „Gimpel“, „Hof- und Haus-Dichter, sein eigener“, „Idiotenreptil“, „Judas“, „Kehrichttonne“, „Knecht, gereimter“, „Laie, gebildeter“, „Leseratte“, „Natur, eine träge“, „Papierkratzer“, „Papierzuschneider“, „Schuhflicker, literarischer“, „Spielwarenhändler deutscher Gelehrsamkeit“, „Stabilitätsnarr“, „Sultan des Intellekts, armseliger“, „Wendehals par excellence“. Das ist lediglich ein Auszug.

Auffällig, dass viele der schönsten, aufwendigsten Beschimpfungen aus der dritten Reihe kommen. Es ist durchaus Torsten Unger zu verdanken, dass die Namen der Verfasser einmal wieder fallen und man sie dann verwirrt googelt und nicht kannte und auch versteht, weshalb man sie nicht kannte. Es begann zu Goethes Lebzeiten und setzt sich bis heute fort. Wer auf Goethe schimpfte, war immer ein bisschen aufgeregt, man spürt in der Wortwahl das Herzklopfen und die Frage: Was werden die anderen dazu sagen? WAS WÜRDE GOETHE DAZU SAGEN?

Goethe kannte die Zahl seiner Gegner

Goethe selbst an dieser Stelle abgeklärt: Die Zahl seiner Gegner sei „Legion, doch ist es unmöglich, sie einigermaßen zu klassifizieren“, woraufhin er sie selbstverständlich trotzdem klassifizieren kann. Es gebe die Dummen, die Neider, die, die den „Mangel an eigenem Sukzeß“ nicht verwinden könnten. „Viertens nenne ich meine Gegner aus Gründen. Denn da ich ein Mensch bin und als solcher menschliche Fehler und Schwächen habe, so können auch meine Schriften nicht frei davon sein.“ Nehmt das, ihr Meckerfritzen und Erdlinge.

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