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Nie ist es bitterer, das vorletzte Irgendwas zu sein, als vor den Weihnachtstagen.

Times mager

Armer 23. Dezember - Warum der Tag vor Heiligabend die kalendarische A-Karte gezogen hat

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Die meisten Menschen finden den 23. Dezember mindestens nutzlos, im schlimmsten Fall ärgerlich. Die Feuilleton-Kolumne.

Wirklich nicht gut hat es unter allen Tagen des Jahres der 23. Dezember getroffen. Man könnte auch sagen, der 23. Dezember hat die kalendarische A-Karte gezogen: Die vorletzte Schokolade im Adventskalender – und alle warten auf die doch bestimmt größere, schönere 24er-Portion (und ist sie es nicht, nützt das dem 23. auch nichts mehr). 

Nie ist es bitterer, das vorletzte Irgendwas zu sein, als vor den Weihnachtstagen. Ein Klacks dagegen die Aufgaben des 30. Dezember, der sich unter anderem fürs Umtauschen von Geschenken anbietet. Der eine Verschnaufpause ist, ehe man 358 Tage später feststellt, dass unerklärlicherweise schon wieder ein Tag vor Weihnachten ist. Mist.

Auch Kinder finden den 23. Dezember so was von unnötig

Die einen brauchen den 23. Dezember zwar dringend, weil sie ihre Weihnachtsgeschenke noch nicht beisammen haben (die coolen Typen, die mit den Nerven wie Stahl, allerdings warten auf den 24., vormittags). Die anderen aber finden den 23. mindestens nutzlos, im schlimmsten Fall ärgerlich. Das, weil sie, diese Streber, alles erledigt haben und nun warten. Und warten. Sich Sorgen machen, dass die Plätzchen auf den letzten Metern noch aufgegessen werden. Und die Bäckerei des Vertrauens ausverkauft ist. Dass der Kartoffelsalat verdirbt. Oder morgen, obwohl taufrisch, nicht so gelobt wird, wie er eigentlich immer gelobt wird. Muss er denn so trödeln, der 23.?

Auch Kinder finden den 23. Dezember so was von unnötig, besonders, wenn man ihnen verbietet, wenigstens Türchen 24 des Adventskalenders schon zu öffnen, sozusagen als Vorschuss auf die Weihnachtsgeschenke und Entschädigung für nicht mehr vorhandene Plätzchen. In ihrem Versteck (das den Kindern selbstverständlich längst bekannt ist) warten ein Baum, zu früh gekauft und darum bald schon nadelnd, und Geschenke, die entweder identifiziert sind oder sowieso enttäuschen werden. Und warum, bitteschön, soll man dann noch einmal schlafen, bis man sie bekommt? Weil Erwachsene finden, es muss der 24. sein?

In den USA ist der 23. Dezember der „National Pfeffernusse Day“

Am 23. Dezember ist die Wintersonnenwende Knapp-vorbei-ist-auch-vorbei. Außerdem verlassen die letzten Holländer ihr Land, um zur Feier auf den Autobahnen die Lichthupe zu betätigen, bis sie in Österreich im Stau stehen. In den USA ist der 23. der „National Pfeffernusse Day“, das mag noch angehen. In Mexiko jedoch feiert man die Noche de Rábanus, die Nacht der Radieschen: ein Happs und es ist weg. Dabei hätte der so tapfer mit uns Menschen wartende 23. Dezember wenigstens ein Gemüse von der tannengrünen Größe eines Kohlkopfes oder der Stattlichkeit eines Kürbisses verdient.

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