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Es wäre vielleicht gar keine schlechte Idee, jetzt schon eine Waschmaschine zu kaufen, die erst in 101 Jahren geliefert wird.
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Es wäre vielleicht gar keine schlechte Idee, jetzt schon eine Waschmaschine zu kaufen, die erst in 101 Jahren geliefert wird.

Times mager

21

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Mit anderen Worten: Zwanzigeinundzwanzig. Damit lässt sich nichts falsch machen.

Seit der Ankunft des sogenannten neuen Jahres haben wir alle eine Sorge weniger und sparen sogar Tinte beziehungsweise Blei (oder wie das heißt, was auf dem Papier bleibt, wenn man einen Bleistift verwendet). Nämlich kann man jetzt wieder unbesorgt 1.2.21 schreiben. Oder 21.2.21. Schade, dass der 2. Januar schon vorbei ist. 2.1.21 war eigentlich das beste Datum des Jahres, rein grafisch gesehen. 12.1.21 ist aber auch nicht schlecht

Warum jetzt wieder unbesorgt? Weil im vorigen Jahr, wer etwa 30.10.20 auf ein Dokument schrieb, Gefahr lief, von schuftigen Menschen hereingelegt zu werden. Die hätten den Vertrag umdatieren können. Mit zwei Ziffern hintendran: 30.10.2021. Zack, wäre die Zahnzusatzversicherung noch gar nicht gültig gewesen, als Dentistinnen und Dentisten uns künstliche Kauausstattung im Gegenwert eines Kleinwagens oder des Saarlands einbauten. Fieser Trick. Jetzt können wir aber aufatmen.

Zwanzigeinundzwanzig kann uns, realistisch betrachtet, nichts dergleichen passieren. Angenommen, Sie bestellen eine Waschmaschine, die am 15.3.21 geliefert werden soll. Dann wird ja wohl kaum einer kommen und, sagen wir, 22 dahinter schreiben. Eine um 101 Jahre verzögerte Bereitstellung der Ware, das hätte es selbst in der Geschichte des Waschmaschinenlieferungswesens noch nie gegeben.

Andererseits dürfte der Preis eines Waschvollautomaten im 22. Jahrhundert deutlich höher liegen als heute. Insofern wäre es vielleicht gar keine schlechte Idee, jetzt schon eine Maschine zu kaufen, die erst in 101 Jahren geliefert wird. Und einige Hundert Gläser Delikatesssenf gleich dazu. Von Toilettenpapier ganz zu schweigen. Womöglich der Spartipp des Jahrhunderts. Hier haben Sie’s zuerst gelesen. Aber warten Sie mit dem Räucherlachs und den Jakobsmuscheln noch.

Fast wünschte man sich, die Urgroßeltern hätten so weit vorausgedacht. Stellen Sie sich einmal vor, sie hätten vor hundert Jahren beim Bäcker ein paar Tüten Brötchen für uns zurücklegen lassen.

Vergessen Sie das wieder. Im Jahr 1923 kostete eine Semmel 25 Milliarden Mark, wie FR-Recherchen in zeitgenössischen Medien ergaben, und sie soll noch nicht mal für zehn Jahre satt gemacht haben.

Aus eigener Erfahrung kann hier angefügt werden, dass ein Milchbrötchen am 7.4.74 schon wieder viel preiswerter war: 25 Pfennig. Beim Bäcker. Damals begann ein gelungenes Wochenende mit dem Erwerb zweier Mohn-, dreier Milchbrötchen und der „Abendpost-Nachtausgabe“, und während der junge Brötchenholer unterwegs war, klackerten auf dem Herd die Eier im Topf. Es war eine recht günstige Zeit. Man kann sagen: unbezahlbar.

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