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Times Mager

2014

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Der Baubeginn des Berliner Schlosses wird auf 2014 verschoben. Es ist eine Art Opferbeitrag der Politik. Ein Histo-Schloss passt nun einmal nicht in eine Umgebung, in der Sozialleistungen gekürzt werden. Von Harry Nutt

Wo gespart wird, da fallen Pläne. Der Baubeginn des Berliner Schlosses, ursprünglich für 2011 geplant, wird auf 2014 verschoben. Die kultur- und symbolpolitische Bedeutung des Wiederaufbaus des Berliner Schlosses, so heißt es, sei im Bundeskabinett ausdrücklich betont worden. Was man so sagt, wenn man einen in großer Emphase getroffenen Beschluss des Deutschen Bundestages in die Warteschleife schickt.

Es ist eine Art Opferbeitrag der Politik. Ein Histo-Schloss passt nun einmal nicht in eine Umgebung, in der Sozialleistungen gekürzt werden. Die Bevölkerung wird keinen Beifall spenden und das schlossaffine Bürgertum keinen Aufstand anzetteln. Laut einer Forsa-Umfrage sind 80 Prozent der Berliner der Auffassung, dass angesichts der klammen Kassen auf einen Wiederaufbau des Hohenzollernschlosses verzichtet werden sollte. So weit wollte man dann aber doch nicht gehen. Der Aufschub des Baubeginns um drei Jahre bedeutet auch eine Verlängerung der zuletzt eher matt geführten Diskussion um Fassaden, Kuppel und Humboldt-Forum. Schon möglich, dass 2014 auch die Formel für eine kleinlaute Absage ist. Die Jahreszahl dürfte die Chancen kaum erhöhen, dass Wilhelm von Boddien die kühn versprochenen 80 Millionen Euro Spenden noch zusammenbekommt. Zwar hat er jetzt mehr Zeit, aber wohl kaum noch den Schwung für die bürgernahe Wiederaneignung eines preußischen Geschichtsverständnisses.

2014 steht auch auf dem Abholzettel für eine Staatsästhetik, die das kulturelle Erbe mit historischen Phantasmagorien versöhnen wollte. Das ambitionierte Projekt ist nun dem ökonomisch Gebotenem gewichen. 2014 ist nicht zuletzt ein Datum politischer Kleinmut. Man spart sich was ab, aber am Ende kaum etwas ein. Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz verwies auf den haushalterischen Unsinn der Verschiebung. Allein in diesem Jahr wurden zwölf Millionen Euro dafür aufgewandt, die maroden Dahlemer Museen vor Wassereinbruch zu schützen. Eine Sanierung der Dahlemer Museen, die ins Schloss umziehen sollen, ist kaum billiger als der Schlossbau. Aber so ist in der Haushaltspolitik noch nie gerechnet worden.

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