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2000 Dollar

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Von: Sylvia Staude

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Kakerlaken
Igitt? Vielleicht. So sehen sie halt aus, die Kakerlaken. © epa Vinai Dithajohn/dpa

Einen Batzen Geld, dafür aber Kakerlaken im Haus, freiwillig? Erstaunlich viele Leute können sich das vorstellen.

Die Tiere, die wir, ups, zum Aussterben bringen, sind ein Thema, das uns beschäftigen muss. (Immerhin waren wir nicht schuld am Dinosauriertod, da haben wir das, was man ein hieb- und stichfestes Alibi nennt.) Die Tiere, bei denen wir nichts dagegen hätten, sie aussterben zu sehen, ein anderes. Doch Problem Nummer eins: Jeder Mensch hat da so seine eigenen Prioritäten. Der eine entscheidet sich spontan für die Stechmücke, die andere weist vernünftig darauf hin, dass zum Beispiel Schwalben auch was fressen müssen. Der eine graust sich exorbitant vor Spinnen, die andere möchte beim Schwimmen nicht an Quallen denken müssen. Problem Nummer zwei: Die Tierarten, die wohl eine deutliche Mehrheit von uns gern loswerden würde, gern auch für immer loswerden, sind meist die zähesten.

Sagt man nicht von Kakerlaken, sie würden sogar einen Atomkrieg überleben? Das ist angeblich ein Märchen, aber werden wir es im Zweifelsfall nachprüfen können? Eben.

New York ist eine aufregende Stadt. In vielerlei Hinsicht. Dazu gehört, wenn man nicht (zu) teuer wohnt, die Kakerlaken-Hinsicht: Morgens sitzt sie artig neben dem Zahnputzglas, apart beben ihre Fühler; abends sprintet sie (oder eine andere K.) unter den Schrank. Morgens: Kann es sein, dass Ms Cockroach sich seelenruhig putzt, als gehöre es hier zum guten Ton, der Touristin bei der Morgentoilette Gesellschaft zu leisten? Abends: Werden wir den Gedanken verdrängen können, dass sie sich, sobald wir schlafen, an uns kuschelt?

Auch Paris ist eine aufregende Stadt. In vielerlei Hinsicht und sogar in einem Ein-Zimmer-Apartmentchen. Licht an, huch, iiiih...gitt: denn eifriges Wuselwuselwusel. Die einen gehen erstmal (!) in Deckung, die andere schlüpft unter die Bettdecke und fragt sich ... siehe oben.

Das war jetzt eine lange Einleitung zu der Geschichte, die wir eigentlich erzählen wollen: Dass nämlich in den USA (wo sonst?) eine Kammerjäger- und -jägerinnen-Firma, um neue K-Bekämpfungsmethoden zu testen, kürzlich ein Angebot veröffentlichte, wonach Menschen je 100 Cockroaches für Zuhause, äh, gestellt bekommen. Man rechnete mit wenig Interesse, doch die Nachfrage nach diesem Angebot war enorm, ging alsbald in die Hunderte (Zahl der Menschen, nicht Kakerlaken, letzteres wäre nicht verwunderlich). Der Trick der Firma: der Mensch erhält 2000 US-Dollar dafür, dass er die Küchenschaben eine Weile in Ruhe bei sich wohnen lässt.

Dann, so die Pest Controller, testen sie ihre neuen Methoden. Beziehungsweise greifen zu den alten, wenn die neuen nicht funktionieren. Aber hört man da die Kakerlaken leise lachen?

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