Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Männer standen 1970 offenbar unter Druck: „Männer, die nie versagen dürfen, entscheiden sich für die Rolex.“
+
Männer standen 1970 offenbar unter Druck: „Männer, die nie versagen dürfen, entscheiden sich für die Rolex.“

Times mager

1970

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
    schließen

Wofür entscheiden sich Männer, „die nie versagen dürfen“? Alte Zeitungsseiten erzählen viele Geschichten.

Das Schneckentempo gesellschaftlicher Entwicklungen nimmt an Fahrt auf, wenn in einer Schublade einige Lokalseiten aus „Wiesbadener Kurier“-Ausgaben von 1970 auftauchen. Gerade läuft die Kampagne für den hessischen Volksentscheid „Votum 18“ und wird mit diesem vielsagenden Text beworben: „Stimm Du für mich! Du kennst mich. Du hast mich erzogen und hast mir gezeigt, daß es nicht nur Rechte gibt, sondern auch Pflichten. Du hast mich gelehrt, Verantwortung zu tragen. Und ich trage sie jetzt: als Soldat in der Bundeswehr, als Arbeiter in einem Betrieb, als Kollege meiner Mitarbeiter. Und auch als Sohn. Du weißt, ich habe ein Recht auf Wahlrecht. Und meine Schwester hat das gleiche Recht.“ Es ist natürlich eine Erleichterung, dass der pflichtbewusste Bruder das so sieht. Das Foto zeigt eh die sympathische Dagmar, 19, die in Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und im Saarland bereits wählen dürfte (Hessen war bei diesem Thema schon früher nicht vorn). Wie auch ihr Bruder, der sich nobel für sie einsetzt.

Andererseits stehen Männer 1970 offenbar unter Druck und haben es sich verdient, gewissermaßen doch in den Fokus besonderer Aufmerksamkeit zu rücken. Und sie benötigen mehr als das. „Männer, die nie versagen dürfen, entscheiden sich für die Rolex.“ Und rauchen „Rillos“ („modern, männlich, dynamisch“). Und einige von ihnen lassen sich zu erfolgreichen Pflegekräften ausbilden, denn unter der Überschrift „Gleichberechtigung am Krankenbett“ ist zu lesen: „Männliche Pflegekräfte haben sich ihren festen Platz erobert“.

Während „Barbara“ durch die Stadt „bummelt“. „Beinahe hätte mich meine gute Laune im Stich gelassen, denn trotz tausend kleiner Kunstgriffe wollte mein Haar absolut nicht mehr sitzen.“ Grundgütiger, jetzt wird es wirklich interessant. Was wird Barbara gegen diesen allzu vertrauten Zustand unternehmen? Nun, Barbara erklärt eiskalt: „Da half nur eins, flugs zum Friseur am Bahnhof.“ Dort kommt man alsbald „wie verwandelt – schick und gepflegt – heraus. Und da man überall bewundert wird, steigt auch das Selbstbewusstsein“. Ohne in den Männerunterarm zur Rolex zu viel hineininterpretieren zu wollen – ein Männerunterarm in dunklem Tuch, vielleicht ein Pilot, auf jeden Fall der Chef –, so lässt sich festhalten, dass es bei ihm nicht mit Selbstbewusstsein getan ist. Davon, so ist zu vermuten, hat er genug. Was er jetzt braucht (um nicht zu versagen!), ist perfekte Technik (eine supergut funktionierende Uhr).

Insgesamt ist das Jahr 1970 viel länger her, als wir bisher dachten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare