Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Eine „17-Jahr-Zikade“ hängt kopfüber in College Park (US-Bundesstaat Maryland).
+
Eine „17-Jahr-Zikade“ hängt kopfüber in College Park (US-Bundesstaat Maryland).

Times mager

17 Jahre

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
    schließen

Natürlich sind Sie unsicher, wie Sie eine Zikade hereinbitten sollen: Sie haben ja 17 Jahre lang keine gesehen.

Wann immer in diesen Tagen das Wort „Zikaden“ fällt (und es fällt oft, denn lange fehlte ihm quasi die Gelegenheit), geht es nicht ohne die Information, dass diese Insekten 17 Jahre lang im Boden – ja, was eigentlich tun sie da? In Totenstarre liegen wie Lazarus? Schlafen im Sinne von: endlich mal ausschlafen? TV-Serien streamen? Meditieren? Levitieren? Sich für die große Party hübsch machen? Denn sicherlich muss eine solche Auferstehung mit einer Megaparty gefeiert werden. Wir sagen nur: Massenorgien in Zikadien, juchhu! Sex bis zum Abnippeln, juchhu!

In den USA, wo die Insekten in diesen Tagen aus dem Boden krabbeln, gehen bei der Polizei, wie die Zeitungen melden, Zikaden-Notrufe ein in rauen Mengen.

Zikade: Hallo, können Sie mir sagen, wo ich bin? Hier war doch vor 17 Jahren noch ein Weizenfeld, jetzt steht da eine Tankstelle, und die Benzinpreise sind der reine Wucher. Polizei: Wo waren Sie denn, im Gefängnis, auf dem Mond? Schaffen Sie sich gefälligst ein E-Auto an, ein selbstfahrendes am besten. (Zikade: ???) Nächste Zikade: Hallo, Herr Wachtmeister, gibt es einen Bus in den Central Park, oder soll ich mich etwa überfahren lassen? Polizei: (piep piep piep …).

Liebe Leserin, lieber Leser, Sie werden natürlich längst gemerkt haben: Die 911-Notrufe werden nicht von Zikaden getätigt, sondern US-amerikanische Menschen tätigen sie wegen der nach 17 Jahren in Scharen auftretenden Zikaden. Da hat man als Mensch doch komplett vergessen, wie man einer Zikade (oder auch tausend bis einer Milliarde Zikaden) zu begegnen hat: Bittet man sie herein und ihr etwas zu trinken an (Wikipedia: „Die Ernährung der Zikaden erfolgt durch das Anstechen und Aussaugen bestimmter Pflanzenteile quasi per Strohhalm. Sie sind auf bereits flüssige Nahrung angewiesen“)? Oder greift man zum Insektenvernichtungsmittel, wahlweise bei nur ein paar Zikaden zum Colt? Stand your ground und so.

Aber überlegen Sie einmal, welche Welt die Tierchen 2004 vor dem Einschlafen noch wahrgenommen haben. Gerhard Schröder ist Bundeskanzler. Joschka Fischer Außenminister. Menschen demonstrieren gegen die Hartz-IV-Gesetze und gegen die Politik von George W. Bush. Die USA räumen ein, dass im Irak keine Massenvernichtungswaffen gefunden wurden. Jassir Arafat stirbt. Mark Zuckerberg startet ein Unternehmen namens Facebook.

Okay, nicht alles hat sich seitdem verändert: Alexander Lukaschenko beginnt 2004 in Weißrussland seine dritte Amtszeit, in Israel zerbricht eine Regierungskoalition, Wladimir Putin ist in Russland entweder Ministerpräsident oder Staatspräsident oder vielleicht auch beides. Angela Merkel allerdings ist noch Oppositionsführerin.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare